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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Die Brockhausstraße

Historisches rings um das Waldschlösschenareal

Wo einst Heinrich Brockhaus das Erbe seines Vaters fortsetzte, hat sich die Natur weitgehend ungestört ihr Terrain zurückerobert, die neuen Mieter nahmen erste Sanierungen vor.

Wer vom Waldschlösschen aus den Körnerweg nahe der Elbe flussaufwärts geht, erreicht wenige Schritte vor dem alten Wasserwerk Saloppe einen kleinen Wasserfall. Hier ergießt sich aus den Sandsteinquadern der Hangmauer heraus ein schmales Rinnsal, wegen seiner bräunlichen Färbung Eisenbornbach genannt. Es entspringt im Waldgebiet der Dresdner Heide nahe der Radeberger Straße, durchfließt den Schotengrund und mündet nach kurzem verrohrtem Lauf in den Elbstrom.

Zwischen Wasserfall und Saloppe führt hinauf zur Bautzner Straße die holprige, traditionell mit Kopfsteinen gepflasterte Brockhausstraße. Deren wohlbekannter Name erinnert an die wichtigste Veröffentlichung, die der bedeutende Verlagsbuchhändler Friedrich Arnold Brockhaus seit 1808 in seinem bald florierenden Unternehmen fortführte und schließlich zu Weltruhm brachte. Zahlreiche Generationen von Bildungshungrigen haben seitdem aus diesem vielbändigen Nachschlagewerk, dem weit verbreiteten „Brockhaus Konversationslexikon“, ihr Wissen geschöpft und zunehmend vervollkommnet. Jedoch nicht der Verlagsgründer F. A. Brockhaus selbst, sondern sein zweitältester Sohn Heinrich, der das Lebenswerk seines früh verstorbenen Vaters in Leipzig fortsetzte, verspürte das Bedürfnis, sich zeitweilig aus dem Trubel der quirligen Messestadt zurück zu ziehen. Auf Anraten seines einstigen Leipziger Schulfreundes, des Bankiers Meusel, der bereits das benachbarte Anwesen am Lockwitzer Elbhang besaß, erwarb Heinrich Brockhaus 1847 die Liegenschaft neben der heutigen Brockhausstraße zusammen mit dem Geländeeinschnitt des Eisenbornbaches. Hier, vor den Toren des damaligen Dresden, hatte sich – wie so mancher wohlhabende Bürger vor und nach 1800 – schon die vorherige Eigentümerin dieses reizvoll gelegenen Geländes von den Strapazen des Stadtlebens erholt. Nur sehr ungern trennte sich die Ehefrau des damals bekannten Theatersekretärs Karl Theodor Winkler (Pseudonym Theodor Hell) von ihrem Tusculum. Doch fand sie in Heinrich Brockhaus einen ebenso naturbegeisterten Nachfolger.

Er ließ dort einen kleinen Landschaftspark im zeitgemäßen romantischen Stil anlegen, verziert mit Blumenrabatten, ausgewählten Baumgruppen, verschlungenen Wegen und allerlei antikisierenden Statuen. Auf der Erhebung inmitten des Parks stehen noch heute die beiden kleinen villenartigen Häuser, die von mehreren Generationen der Brockhausfamilie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts teils als Sommersitz und teils als ständige Wohnung genutzt wurden. Ein zur Elbe hin geöffnetes, U-förmiges Gebäude bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Gartenhaus einen Innenhof, der einen einstigen Trinkwasserbrunnen enthält. Das Ablaufbecken des Wasserfalls wurde früher von einer hölzernen Bogenbrücke überspannt. Noch lange bis um 1955 war daneben ein kleines Badehäuschen zu sehen, an dessen Elbseite sich das Relief einer Äskulapschlange befand. Dies entsprach dem Signet der einst von Theodor Hell mitgestalteten „Dresdner Abendzeitung“, einem seinerzeit viel gelesenen literarischen Unterhaltungsblatt.

Sogar Richard Wagner, verschwägert mit den Söhnen des Verlagsgründers, weilte während seiner Dresdner Jahre von 1842 bis 1849 auf Winklers Besitz, danach auf dem Anwesen von Heinrich Brockhaus. Von der einstigen prachtvollen Aussicht über die Elbaue bis in die Stadt hinein wurde Wagner 1844 zu Orchesterskizzen zu seiner Oper „Tannhäuser“ angeregt.

Dem heutigen Betrachter bietet sich überall das Bild eines um sich greifenden Verfalls, der schon am Ende des 2. Weltkrieges begann, als der Brockhaus-Park durch einen sinnlosen Panzerabwehrgraben zerstört wurde. Seit 1952 beschlagnahmte die Stasi-Bezirksbehörde fast die Hälfte der damals enteigneten Liegenschaft und ließ darauf für seine Mitarbeiter Großblockbauten als Wohnhäuser errichten, „gesichert“ durch eine hohe Betonmauer.

Text: Günther Klieme | Fotos: RK



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