Erlesene Filmcocktails - klassisch geschüttelt
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Das 16. Internationale Kurzfilmfest mit neuem Besucherrekord
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Großartige Filme, wunderbare Bilder, allerlei buntes Filmvolk. Zu Gast beim Filmball: Miro Nemec.
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Knapp eine Woche lang strömten tausende Besucher und Kurzfilmschaffende aus aller Herren Länder immer in eine Richtung im Waldschlösschen Areal - ins Metropolis. Denn hier fand vom 13. bis 18. April bereits zum zweiten Mal das mittlerweile höchstdotierte (insgesamt über 50.000 Euro Preisgeld) Filmfest Europas statt.
1.700 Filmer aus knapp 30 Länder hatten sich beworben, so viele wie nie zuvor. So konnten erstmals auch koreanische und japanische Beiträge ins Programm aufgenommene werden. Das Programm der sechs Filmfesttage wurde von einer ehrenamtlichen Auswahlkommission, bestehend aus vier Mitgliedern, zusammengestellt. Eine Mammutarbeit, die trotzdem auch auf Kritik stieß, da Fachleute aus der Filmbranche vermisst wurden. Robin Mallick, Festivaldirektor und Mitglied der Auswahlkommission erklärte in einem Interview dazu: "Für erfahrene Filmer und Kuratoren fehlt uns bislang einfach das Geld." Über die Preisjurys jedenfalls konnte man sich nicht beschweren: Prominente Namen, auch aus Dresden, renommierte Fachleute und wichtige Filmemacher entschieden über die Wahl der Prämierungen.
Mit einem Rekord von über 19.000 Besuchern (im letzten Jahr waren es 17.000) bewies das Festival einmal mehr, dass es seinem gutem internationalen Ruf nicht hinterher hinkt und gleichzeitig seine Nähe zum Dresdner Publikum nicht verloren hat. Zu dieser erfolgreichen Bilanz trugen zum einen das gut organisierte Programm bei, das es sogar erlaubt hätte, alle Programmblöcke innerhalb der sechs Tage zu sehen. Auch wenn es wirklich nur rein theoretisch möglich war, sich alle rund 300 Kurz- und Animationsfilme anzuschauen.
Insgesamt 20 Programmblöcke standen dem Festival-Interessierten zur Auswahl, davon allein zwölf Wettbewerbsblöcke aus aller Welt im Internationalen und Nationalen Wettbewerb. Das Rahmenprogramm mit acht Blöcken bot neue und delikate Leckereien wie DDR-Discofilme aus den 70ern, den Publikumsrenner "British Focus", in dem es diesmal zum Teil blutrünstig, leider aber weniger ironisch-spitzfindig zuging, charmante Animationen aus Italien und Frankreich, Surreales aus Spanien sowie frühe Kurzfilme berühmter Spielfilmregisseure wie Lars von Trier und Peter Greenaway. Ein wenig kurz kamen in diesem Jahr die Experimental- und Dokumentationsfilme.
Am Ende wurden aus den insgesamt 96 Wettbewerbsfilmen, unter denen auch einige Uraufführungen waren, elf Preisträger gekürt. Neben den begehrten Preisgeldern wurden auch elf "Goldene Reiter" - die neue Filmfest-Trophäe - verliehen. Die Hauptpreise von jeweils 7.500 Euro gingen nach Großbritannien und Mexico. Die Jury begründete ihre Wahl für den Puppenanimationsfilm "The Separation", in dem es um die Trennung siamesischer Zwillinge ging, folgendermaßen: "Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, einfühlsam und direkt erzählt". Eine Begründung, über die im Nachhinein noch viel diskutiert wurde, da eher Aussagen wie "gruselig", "blutig", "alptraumhaft" oder "kalkulierter Trash" die Runde machten. Die Wahl des mexikanischen Films "Entre Dos", in dem Eltern verzweifelt nach einem Organspender für ihr Kind suchen, stieß da eher auf allgemeine Zustimmung.
Der höchstdotierte Preis, der neu geschaffene Förderpreis des Sächsischen Ministeriums für Kunst und Wissenschaft von 20.000 Euro ging an einen Studenten der Weimarer Bauhaus-Akademie für seinen Film "Kalkheim". Er beeindruckte durch seinen streng und präzise komponierten Filmstil voller Ironie, Biss und Zynismus und zeigte die uniforme Ordnung bürgerlicher Reihenhaus-Idylle mit Menschen ohne Gesicht.
Die Hauptpreise im Nationalen Wettbewerb wurden an die Animation "Der Erlkönig", eine Interpretation des berühmten Goethe-Gedichts und die Filme "Abhaun" über den Abschied der Jugend in einer ostdeutschen Provinz sowie "The Day Winston Ngakambe Came To Kiel" über die Mechanismen des Kolonialismus als einfache und vergnügliche Umkehr vergeben. Vergnüglich ging es zwar eher selten in den Filmen zu, erneut dominierten Ernsthaftigkeit, Konflikte, Wehmut und Tod. Dafür wählten aber die Zuschauer die bizarre Schwarz-Weiß-Komödie "Fotokarteschka" für den Publikumspreis. Hier wurde die lebenswichtige Frage gestellt: Wie komme ich an ein Foto, das mir ähnlich sieht? Und auch die Jugendjury entschied sich lieber für eine farbenfroh-schöne Animation namens "Instinkt" aus Estland und die makaber-spritzige Liebesstory "7:35 De La Manana" aus Spanien.
Das Waldschlösschenareal jedenfalls gab dem 16. Internationalen Filmfest den angemessenen Rahmen. Zwei leerstehende Läden gegenüber dem Festivalkino wurden kurzerhand stilvoll in das Besucherzentrum, die Presselounge und die Vision-Bar umgewandelt. Die kultige Filmbar "Dagmar" in den Gewölberäumen des Arteums lockte das Film- und Partyvolk oft noch bis in die Morgenstunden zum Austauschen und Feiern an. Am Tage hingegen hatte das Waldschlösschen-Brauhaus alle Hände voll zu tun, die durstigen und hungrigen Gäste schnell und freundlich zu bedienen, um sie zufrieden in das nächste Filmabenteuer zu entlassen.
Abenteuerlich wurde es schließlich auch auf dem Filmball Samstagnacht. Im Rohbau-Saal und in den neu sanierten Räumen des Hygienemuseums inszenierte Künstler und Filmballguru Holger John effektreich und voller überraschender Highlights die James-Bond-Nacht. Da tauchten neben Stargast Miro Nemec, im Filmleben Tatort-Kommissar Ivo Batic, hier der James Bond 006 und Rockmusiker erster Güte, auch Gesichter wie Soulman Jim Ferguson von Hot Chocolate, Marc Hartmann und sein Tanzorchester und die Leningrad Lazy Boys auf. Oriental Bar, Asia-Lounge oder der Rote Salon - James Bond hatte überall seine Hand im Spiel, auch wenn es nicht um den Kalten Krieg, sondern um eine heiße Nacht ging, die letztendlich fröhliche und zufriedene Agenten und Bondgirls in den Morgen entließ.
Das Resümee einer Film-Fest-Woche: Nicht nur die Zutaten der leckeren Cocktails zum Filmball waren perfekt und klassisch geschüttelt. Das ganze Filmfest wirkte wie ein gelungener Filmcocktail, Neuauflage erwünscht.
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Der Publikumspreis ging an "Fotokarteschka" von Christina Zulauf, Schweiz.
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Text: Grit Böhm | Fotos: Kurzfilmfest
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