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Waldschlösschenareal Dresden   Dienstag, 06. Januar 2009 
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Von Deutschen Ängsten und osteuropäischen Hoffnungen

16. Dresdner Wirtschaftsforum im Arteum

Im Podium: Dr. Detlef Hamann (IHK), Staatssekretärin Andrea Fischer, Moderator Dirk Birgel, Peter Zogelmann (Handwerkskammer Dresden) und Markus M. Lötzsch (Wirtschaftsförderung Sachsen).

Zehn neue Länder, 75 Millionen neue EU-Bürger - am 1. Mai 2004 begann wohl die größte Veränderung als auch das größte Wagnis in der langen Geschichte der Europäischen Union. Rund 37,5 Milliarden Euro kostet die Aufnahme der neuen Länder in den Jahren 2004 bis 2006 die Gemeinschaft. Staatssekretärin Andrea Fischer, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, kommentierte beim 16. Dresdner Wirtschaftsforum der Bayerischen Immobilien Gruppe im Arteum des Waldschlösschens das Ereignis: "Was soll nach dem 1. Mai passieren? Am 2. Mai ist die Welt auch nicht anders!" Damit hat sie Recht. Denn die Aufnahme ist kein kein 10-Jahres-Prozess. Es kann 20, 30, 40 Jahre dauern, bis ein Gleichgewicht erreicht wird.

"Das sächsische Länderdreieck und seine wirtschaftliche Perspektive nach der EU-Erweiterung" war das Thema des Wirtschaftsforums, wobei sich Zuversicht und Risiko (vorerst) die Waage hielten. Schnelle und unmittelbare Effekte, so die Staatssekretärin, werden sicher nicht kommen, aber mittelfristig sei vieles möglich. Fischer blickte in die Zukunft: "Dieser Beitritt zwingt uns, tiefgreifender über uns nachzudenken und dann entsprechend zu handeln. Die Deutschen neigen zum Wehklagen."

Mit welchen Erwartungen Sachsens Wirtschaftsexperten die EU-Erweiterung begleiten, lautete die Hauptfrage des Streitgesprächs. Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, wusste zu berichten, dass sich rund 20 Prozent der Unternehmen seines Bereiches auf die Erweiterung eingestimmt hatten. "Zunehmend bereiten sich auch kleinere Unternehmen darauf intensiv vor." Ängste und Risiken brachte Peter Zogelmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, ins Gespräch.

Demnach rechnen sich Unternehmen in den Beitrittsländern mehr Chancen auf den Märkten aus. Zogelmann: "Polnische Betriebe werden aggressiver auf dem Markt agieren. Die Deutschen sollten sich verstärkt um Kooperationen zum beiderseitigen Vorteil kümmern." Und auch Markus M. Lötzsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, bestätigte: "Es wird schwieriger für uns und für die Investoren." Andererseits sieht er Sachsen auch als Gewinner. Die dynamische Entwicklung des Warenaustauschs mit Polen und Tschechien betrage bereits 50 Prozent des Außenhandelsvolumens, so Lötzsch. Und er warnte vor übertriebener Angst: "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben." Mit dem Kompetenzausbau in der Automobilindustrie, der Mikroelektronik, auch in der Biotechnologie, im Maschinenbau und in der Energiewirtschaft, könnten die sächsischen Unternehmen fraglos punkten. Entscheidend wird das Engagement und die Investitionsbereitschaft von produzierenden Unternehmen sein. Allerdings gelte es nun, den Bereichen Forschung und Entwicklung mehr Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Hintergrund: Viele technologische Projekte in Sachsen werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht weitergeführt. Ziel müsse es sein, Netzwerke auf- und auszubauen. Beispielgebend ist hier bereits die Euro-Textil-Region, der mehr als 1400 Unternehmen und 35 Forschungseinrichtungen aus Polen, Tschechien und Ostdeutschland angehören. Diese bietet sächsischen Herstellern die Möglichkeit, Partner für Absatzgemeinschaften in Schlesien oder Böhmen zu finden, einschließlich der Kooperation im Vertrieb.

Die sächsische Wirtschaft sieht vor allem die Gefahr, dass die Förderung der deutschen Ost-Regionen zurück geht. "Wie haben uns so entwickelt", sagt Hamann, "das dies sich dann nachteilig auswirken könnte. Denn nach wie vor ist die schwache Eigenkapitaldeckung ein großes Hemmnis in der wirtschaftlichen Entwicklung."

Eine der interessantesten Fragen des 16. Dresdner Wirtschaftsforums, das Dirk Birgel, Chefredakteur der Dresdner Neuesten Nachrichten, moderierte, lautete schlicht: Was machen die Neuen eigentlich besser? Staatssekretärin Fischer: "Ich weiß es nicht. Aber die Erweiterung tut uns gut, weil sie uns auf Trab bringt. Die Entwicklung zwingt uns, die notwendigen Veränderungen nicht nur schneller, sondern auch aggressiver anzugehen. Tschechien beispielsweise hat weniger Besitzstände zu verteidigen." Gleichwohl gebe es auch bei den Beitrittsländern ähnliche Befürchtungen. Und so fordert Andrea Fischer Optimismus bei der Gestaltung der Wirtschaft ein: "Eine Stärke dabei ist unsere Konzentration auf das Wesentliche."

Text: Michael Weichelt | Foto: Sandra Neuhaus



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