Puppentheater in der Garnisonkirche
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Marionettenspielen sieht einfach aus. Man zupft an ein paar Fäden, und die Figuren beginnen zu tanzen. Wer hätte keinen Spaß daran, sich am Spiel mit Kasper und Hexe auszuprobieren, mit verstellter Stimme zu sprechen und zu sehen, wie die leblose Figur plötzlich einen Charakter bekommt? Kleine und große Besucher der Puppentheatersammlung dürfen sich jetzt selbst als Marionettenspieler versuchen - und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft, der Garnisonkirche an der Stauffenbergallee.
Mehr als ein halbes Jahr war das Museum geschlossen, nachdem es das Hohenhaus Radebeul verlassen musste. Inzwischen sind die Puppen in ihr neues Domizil gezogen. Nicht alle von ihnen mussten hinter Glas verschwinden, nachdem sie ihre Umzugskisten verlassen hatten. Neben den bis zu 200 Jahre alten und sehr wertvollen Ausstellungsstücken gibt es nämlich einige robuste Exemplare, mit denen gespielt werden darf. "Wer das versucht, merkt, dass die traditionellen Marionettenspieler gute Armmuskeln brauchen", so Lars Rebehn. Er ist der Konservator des Museums und kennt sich mit seinen Schätzen genau aus. "Jede Puppe wiegt fast so viel wie ein voller Eimer Wasser und wird an meterlangen Schnüren bewegt." Es erfordere viel Geschick und eine ruhige Hand, damit die Bewegungen so leicht und natürlich aussehen wie auf der Bühne. Puppentheater ist nicht nur etwas für Kinder, im Gegenteil. Die Vorstellungen, welche ab dem 18. Jahrhundert in Gasthöfen und auf Jahrmärkten stattfanden, waren ursprünglich für Erwachsene bestimmt. Gezeigt wurden Ritterdramen, große Schlachten oder Naturkatastrophen - Sensationen, die mangels eines abendlichen Fernsehprogramms das Publikum unterhielten. "Die fernen Länder, von denen die Geschichten erzählten, kannten die Spieler ebenso wenig wie ihr Publikum. Sie gaben sich jedoch geschickt den Anschein, als ob dies so wäre."
Das erste echte Kinderstück, ein Weihnachtsmärchen, führte Carl August Görner im Jahre 1853 auf. Es wurde mit Begeisterung aufgenommen, bedeutete aber für das traditionelle Puppentheater zugleich den Niedergang, da viele Erwachsene jetzt nicht mehr ins "Kindertheater" wollten. Große Konkurrenz war auch das gerade entstehende Kino, welches die gleichen Themen mit wesentlich mehr Tempo zeigte. "Das Marionettenspiel damals war für unser heutiges Verständnis todlangweilig", erklärt Lars Rebehn. "Die Leute schafften es jedoch, den größten Teil der Geschichte im eigenen Kopf ablaufen zu lassen. Für sie war es richtig spannend." Dank eines eher konservativen Publikums und des immer noch nicht berauschenden Fernsehempfangs konnte sich das traditionelle Marionettentheater in Dresden und der Lausitz ungewöhnlich lange halten. Familien wie die Apels oder Roland Ritscher und seine Mutter zogen bis in die 80er Jahre umher, ungeachtet aller Probleme, die das zu DDR-Zeiten mit sich brachte.
Diese Geschichte ist im Museum umfangreich dokumentiert, nicht nur durch Requisiten, Kulissen und Puppen aller Art (es werden ganze Inszenierungen gesammelt), sondern auch in Form von Textbüchern und Programmen. Die Bibliothek ist öffentlich, nach Absprache können Besucher sich dort in Ruhe informieren.
Wie lange die Puppentheatersammlung ihre provisorische Unterkunft nutzen wird und wohin sie anschließend zieht, ist noch nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass der Eigentümer der Garnisonkirche diese nach dem Auszug in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzen möchte. Schon jetzt kann man sich an besonderen Tagen, zum Beispiel zur Museumsnacht, eine Vorstellung davon machen, wie die Kirche in Zukunft wieder aussehen könnte.
Informationen
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Die Puppentheatersammlung ist dienstags bis freitags 10-17 Uhr geöffnet, auch jeden
letzten Sonntag im Monat 10-17 Uhr.
Eintrittt: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro. Gruppen
(ab zehn Personen) 1,50 Euro p.P.
Puppentheatersammlung in der
Garnisonkirche, Stauffenbergallee 9, 01099
Dresden,
Anmeldung und Führungen:
Telefon 03 51 / 8 38 75 71
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Text: Ina Sühn, Fotos: Markus Schurz
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