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aus: StadtBlick 8 | 2002
Die Charlottenstraße in Dresden-Neustadt
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Wer vermutet hinter dieser Namensgebung schon Schillers Lotte? Seit fast 100 Jahren trägt diese Straße in der Äußeren Neustadt ihren Namen. Im Jahre 1790 heiratete Charlotte von Lengefeld (1766 bis 1826) den bürgerlichen Dichter Friedrich Schiller. Der sich auch sehr gut mit ihrer bereits verheirateten Schwester Caroline verstand, die ihm später mit der Biografie „Schillers Leben“ ein literarisches Denkmal setzte.
Heute geht es recht lebhaft zu auf der Charlottenstraße, die direkt aus der Heideparkstraße kommend etwa auf Höhe des Waldschlösschenareals in die Radeberger Straße mündet. Die breite Straße ist gesäumt von alten und auch ein paar jüngeren Bäumen, die die Verkehrsgeräusche für die Anwohner etwas dämpfen. Denn der Autoverkehr fließt und alle paar Minuten kommt ein Bus der Linie 91 vorbei. Wenn man von der Heideparkstraße aus die Charlottenstraße entlang geht, sieht man linkerhand ein paar schöne Stadtvillen mit Jugendstil-Ornamenten. Sie verweisen auf die etwas ruhigere Wohngegend in den Straßen, die hinunter zur Elbe führen. Auf der rechten Seite, etwas zurückgesetzt, ein paar norddeutsch anmutende Backsteinbauten. Ansonsten beherrschen Siedlungshäuser aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Bild. Einige noch in dem typischen Graubraun, das hier Jahrzehnte lang das Stadtbild beherrschte. Die meisten aber renoviert und freundlich verputzt in kräftigem Gelb oder frischem Hellgrau. Bunte Hinterglasbilder an manchen Fensterscheiben weisen darauf hin, dass hier Kinder leben. Ganz in der Nähe der Charlottenstraße befindet sich das Waldschlösschenareal mit Einkaufs- und Freizeitangeboten.
Zurück zu Charlotte und Friedrich Schiller. Bekanntlich war der vom Neckar aus Schwaben kommende Dichterjüngling als Gast im Hause seines Freundes Gottfried Körner hoch willkommen. Obwohl er die Dresdner Residenzbürger nie recht leiden mochte, fühlte er sich im Körnerschen Weinberg in Loschwitz recht wohl. Seiner Feder entflossen damals nicht nur die dramatische Dichtung „Don Carlos“ (eine Tafel am Schillerhäuschen auf der Schillerstraße erinnert daran) sondern auch das bekannte Lied „Ode an die Freude“, das später von Beethoven aufgegriffen so kongenial in die Neunte Sinfonie als Hymnus mit aufgenommen wurde. Welchen Part in Schillers Leben seine Charlotte spielte, die 1801 als Frau Hofrat Schiller Dresden besuchte und selbstverständlich im Haus Körners abstieg, dafür gibt es außer der Tatsache, dass sie Friedrich Schiller vier Kinder schenkte und den fast immer kranken Dichter zur Seite stand, nur wenige biografische Anhaltspunkte. Zwei Töchter, Karoline und Emilie, sowie die Söhne Karl und Ernst gingen aus der fünfzehn Jahre dauernden Ehe hervor.
Das erste Mal besuchte Charlotte Schiller an der Seite ihres inzwischen berühmten Gatten 1792 die Körners. Man logierte als gute Freunde im Weinberghäuschen. Der zweite Besuch 1801 dauerte immerhin vier Wochen. Die Schillers verbanden ihre zu damaligen Zeiten aufwändige Reise mit dem Besuch der Aufführung des Dramas „Die Jungfrau von Orleans“, die in Leipzig stattfand. Wieder wohnte man im Körnerschen Haus.
Friedrich Schiller starb bereits 1805, gerade erst 46 Jahre alt. Seine Witwe Charlotte, die ihren Gatten um 21 Jahre überlebte, schrieb auch. Sie hinterließ die „Briefe an einen Unbekannten“, die sie in Leipzig verlegen ließ.
Text: Dieter Zumpe | Fotos: Ralf U. Heinrich
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