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Waldschlösschenareal Dresden   Sonntag, 05. Februar 2012 
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 Schnabulier-Shopping-Tag in der Dresdner Neustadt

 

 Flexibilität ist Trumpf

 

Das 10. Wirtschaftsforum fragte nach: Provinzstadt statt Landeshauptstadt?

Das Podium von links nach rechts: Matthias Gilbrich, Marketingdirektor der Dresden Werbung und Tourismus GmbH; Raimund Wördemann, Geschäftsführer City Management Dresden; Dirk Hilbert, Beigeordneter für Wirtschaft in der Landeshauptstadt Dresden; Moderator Dirk Birgel, Chefredakteur der Dresdner Neuesten Nachrichten; Heinz-Georg Schneider, Präsident der DEHOGA Sachsen und Prof. Dr. Wolfgang Donsbach, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden

Eine Frage, die nicht nur die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik umtreibt: Wie dynamisch ist Dresden? Stimmt das Image vom „gemietlichen“ Residenzbürger, der die Moderne scheut und sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruht? Beim 10. Wirtschaftsforum im Waldschlösschenareal am 19. September saßen wieder prominente Fachleute auf dem Podium. Auf Einladung der Bayerischen Immobilien AG und der Bayerischen Hausbau GmbH diskutierten Dirk Hilbert, Beigeordneter für Wirtschaft in Dresden, Professor Dr. Wolfgang Donsbach, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden, Matthias Gilbrich, Marketingdirektor der Dresden Werbung und Tourismus GmbH (DWT), Heinz-Georg Schneider, Präsident der DEHOGA Sachsen, und Raimund Wördemann, Geschäftsführer City Management Dresden. Moderiert wurde der Abend von Dirk Birgel, dem Chefredakteur der Dresdner Neuesten Nachrichten.

Dresden, da waren sich alle auf dem Podium einig, steht immer noch zu sehr für Kultur aus früheren Jahrhunderten: Semperoper, Zwinger, Alte Meister. Dennoch sei das ein Pfund, mit dem die Stadt weiter wuchern müsse. „Dresden ist das Leitpferd des Tourismus in Sachsen“, mahnte DEHOGA-Präsident Schneider, „das sehen wir doch am Hochwasser. Kaum ist die Semperoper zu, wird im ganzen Land storniert!“ Die Vertreter des Tourismus wehrten sich auch dagegen, ihr Metier nur als Spaßfaktor zu sehen und verwiesen auf die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs gerade auch in Dresden. Einig war man sich aber schnell, dass die Stadt nicht einseitig auf die betuchten älteren Kultur-Touristen setzen dürfe. Das zweite Standbein müsse der Kongresstourismus sein, denn der bringe mehr Geld und zöge auch private Reisen nach sich. Dabei erhofft man sich viel von dem neuen Kongresszentrum an der Elbe. Der Standort, nahe der Innenstadt, lade Kongressteilnehmer dazu ein, mehr von der Stadt kennen zu lernen.

Moderator Dirk Birgel sprach den Umgang mit Investoren an und fragte provokant: „Warum klappt das in Leipzig besser?“ Der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert gab zu, dass es bisher in dieser Hinsicht an einer klaren strategischen Ausrichtung gefehlt habe. Investoren in der Stadt bekämen immer wieder Probleme mit der Verwaltung und der Öffentlichkeit.

Professor Donsbach beklagte den Umgang der Dresdner mit Investoren und verwies auf all die Querelen bei der Ansiedlung der Gläsernen Manufaktur oder des Werks von Infineon. „Da fehlt es in der Bevölkerung noch an politischer Bildung: Die Bürger glauben, man muss zuerst alle Gruppen und Grüppchen in der Stadt befriedigen, dann erst sind Wirtschaft und Investoren dran. Aber die verdienen schließlich das Geld, von dem wir leben!“

Zum Thema Stadtmarketing gab es einige Differenzen unter den Diskutierenden. Citymanager Wördemann verteidigte den Dresdner Weg des „Stadtmarketing als lockeren Prozess“ vieler Beteiligter, von der Tourismuswirtschaft über die IHK, bis zu verschiedenen Arbeitskreisen, koordiniert vom Wirtschaftsbürgermeister. Dagegen beklagte Dirk Hilbert, er habe bei seinem Amtsantritt „Debattierclubs“ angetroffen und den Kreis erst einmal verkleinert. Man müsse drei Zielgruppen vor Augen haben: Investoren, Touristen und die eigenen Bürger. Er verwies darauf, dass in den nächsten Wochen ein Begleiter von außen dabei helfen solle. Matthias Gilbrich von der Dresden Werbung und Tourismus GmbH erhofft sich viel davon und betont: „Wir schmoren zu sehr im eigenen Saft!“ Professor Donsbach und Heinz-Georg Schneider widersprachen heftig. Es müsse politisch entschieden werden und die gewählten Vertreter hätten die Aufgabe, die Bevölkerung dabei mitzunehmen.

Bei der Frage nach den „harten Standortfaktoren“, die für Investitionen immer noch entscheidend seien, herrschte wieder Einigkeit auf dem Podium. Immer noch fehle es in Dresden an der notwendigen Verkehrsinfrastruktur und zwar nicht nur in der Stadt selbst – da steht der Besucher, von der Autobahn kommend immer noch im Stau, wogegen es in Leipzig kaum Probleme gebe – sondern auch auf dem Weg in die Stadt. „Es ist für viele Dresden-Interessierte aus Südeuropa oder Skandinavien einfach zu weit und zu teuer“, fasste Matthias Gilbrich eine Studie der DWT zusammen. Die „Monopolpreise der Lufthansa“ und die stiefmütterliche Behandlung durch die Deutsche Bahn AG wurden einhellig beklagt.

In der Schlussrunde fragte Moderator Dirk Birgel nach den berühmten „drei Wünschen“ der Diskussionsteilnehmer. Neben einer besseren Verkehrsinfrastruktur, einer klareren Strategie aller Verantwortlichen in der Stadt und einem besseren Außenmarketing wünschten sich die Gesprächsteilnehmer auch etwas mehr Mut und Risikobereitschaft in der Bürgerschaft. Professor Donsbach fasste es so zusammen: „Wenn es hier in Dresden nicht nur die Semperoper gäbe, sondern etwas so gewagt Modernes wie beispielsweise das Guggenheim-Museum in Bilbao!“


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