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Waldschlösschenareal Dresden   Sonntag, 05. Februar 2012 
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INHALT

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Nach der Flut: Kultur in Dresden

 Die Frau an seiner Seite

 

 Schnabulier-Shopping-Tag in der Dresdner Neustadt

 

 Flexibilität ist Trumpf

 

Wie weit sind wir vom Alltag der Kunststadt entfernt?

Bereits Geschichte: Der überflutete Zwingerhof am 18. August 2002.

Während die Medien Schreckensszenarien über die Verwüstung des Elbtals sendeten, hatte wenige Tage später der Zwinger-Innenhof eine neue leuchtende Kiesschicht bekommen, der Mathematisch-Physikalische Salon öffnete wieder und die Rüstkammer, eine der schönsten Prunkwaffensammlungen der Welt, lockte zum Besuch. Im Georgenbau des Schlosses zeigt die Gemäldegalerie Alte Meister die Sonderausstellung „Die schönsten Ansichten Sachsens“, die dem Hofmaler Johann Alexander Thiele (1685 bis 1752) gewidmet ist. Im Albertinum auf der Brühlschen Terrasse ist das weltberühmte Grüne Gewölbe, die Galerie Neue Meister und die Skulpturensammlung zu besichtigen. Der Museumsalltag läuft normal, wenn man davon absieht, dass die Sammlungen der Alten Meister erst ab 9. November wieder zu bewundern sind. Für die Unterbringung der Bilder aus dem überfluteten Depot hat man zwar vorübergehend eine Ausweichmöglichkeit avisiert, aber das bedeutet noch keine endgültige Lösung. Durch den Auszug der Landesbibliothek in der Marienallee (sie hat ihr neues Domizil im Neubau der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek am Zelleschen Weg) stehen vorerst rund 4.000 Quadratmeter Fläche frei. Dagegen sprechen jedoch mangelnde Sicherheitstechnik und fehlende Klimatisierung.

Blick auf die in den Räumen der Galerie Neue Meister notgelagerten Skulpturen aus der Skulpturensammlung.

Generaldirektor Martin Roth, der sich bei Amtsantritt visionär gab und den einzigartigen „Staatsschatz“ des Freistaates rühmte, den es nicht nur zu behüten, sondern innerhalb des Weltkulturerbes einzubringen gilt, konstatiert nüchtern: Der Schaden, den die Museen samt ihrer Technik genommen haben, lässt sich vorerst mit 10 Millionen Euro beziffern. Irgendwie, irgendwann und mit irgendwelchem Geld (die Zusicherungen seitens des Bundes und der Bundeskulturstiftung sowie zahlreiche Spenden liegen bereits vor) sind diese Schäden reparabel. Neu überdacht werden sollte, und darüber wurde im MDR-Kulturcafé während einer Podiumsdiskussion nachgedacht, ob Kunstschätze von nationaler Bedeutung weiterhin in Kellern lagern sollten. „Die Flutkatastrophe“, so Roth, „hat gezeigt, dass die Kultur der Trafo in der Wirtschaft ist und ganz vorn an diesem Trafo drehen wir“.

Roth konstatierte Einbußen, die der Flutkatastrophe geschuldet sind: nicht nur das Ausbleiben von Touristen (Einnahmen), sondern auch die Verschiebung der II. Sächsischen Landesausstellung in Torgau im nächsten Jahr auf 2004: „Uns wäre in dieser Situation nur die Möglichkeit geblieben, die Landesschau zum geplanten Termin, aber in verkleinerter Form durchzuziehen. Für alles andere haben die Kunstsammlungen Dresden weder das Personal noch das Geld“.

Die gute Nachricht: Am 8. Oktober wurde die Porzellansammlung im Zwinger mit ihrem reichen Bestand an Meißner und ostasiatischen Porzellanen – zu verdanken der Sammelleidenschaft August des Starken – nach gründlicher Sanierung der Galerie wieder eröffnet (Die bis So 10 bis 18 Uhr; Mo geschlossen).

4.000 Gemälde wurden am 13. und 14. August in einer beispiellosen Aktion aus den Depots der Gemäldegalerie Alte Meister gerettet.

Semperoper und Schauspielhaus

Beide Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zwinger hat es „nass“ erwischt. Die Weißeritz hat die Keller und damit die Untermaschinerie unter Wasser gesetzt. Nicht nur die Technik wurde vernichtet, sondern auch Kostüme und Ausstattungen für laufende Produktionen. Schauspielintendant Holk Freytag muss ebenso wie sein Kollege von der Semperoper auf das prächtige Stammhaus verzichten, obwohl die Zuschauerräume nicht davon betroffen sind.

Alle Premierentermine des Schauspiels konnten – wenn auch an anderen Spielstätten – gehalten werden. Man spielte im Festspielhaus Hellerau und sogar in der Synagoge; im Schlosstheater (auf das Foyer im Keller wird man für einige Zeit verzichten müssen) wird bereits wieder gespielt: Schauspielstudenten bieten eine beachtenswerte Aufführung von Beaumarchais Stück „Der tolle Tag“ – das Mozart als Vorlage für seine Oper „Figaros Hochzeit“ nutzte. Wermutstropfen: Die Ausstattung für das „Weihnachtsmärchen“ nach Charles Dickens ist leider „abgesoffen“. Theatermacher Holk Freytag wird improvisationsfreudig mit seiner Inszenierung in das Palais im Großen Garten ziehen. Bis zum Jahresende sind Gastspiele mit Benefizcharakter angekündigt. Am 11. Oktober kommt das Thalia-Theater aus der Partnerstadt Hamburg mit einem Liederabend. Ebenso hat es das TIF (Theater in der Fabrik), die alternative Spielstätte, schwer getroffen; dennoch wird das TIF pünktlich seine Spielzeit eröffnen. Und wieder eine gute Nachricht: Der Vorhang zu „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams ging bereits Ende September wieder im Schauspielhaus hoch.

Für Christoph Albrecht, den Intendanten der Sächsischen Staatsoper, gibt es einen Retter in der Not: Harry Kupfer, der fast zehn Jahre in Dresden wirkte, wird Bizets Oper „Carmen“ an ungewohntem Ort, nämlich in der Gläsernen Manufaktur von VW, inszenieren. Die Premiere wird bereits am 26. Oktober stattfinden. Alle anderen Opernvorstellungen, darunter Teile des „Ring“, werden vorerst konzertant aufgeführt. Als Spielstätten stehen in bewährter Weise Kulturpalast und Kreuzkirche und zusätzlich für die Kammerabende die Lukaskirche zur Verfügung. Während es konstruktive Arbeitsberatungen mit dem Kunstministerium gibt – das Bündnis für Kultur wird aus der Notlage heraus auf die Beine gestellt – kann die Semperoper zwar wieder besichtigt werden, aber bespielbar wird sie erst ab 9. November 2002 sein. Die Kleine Szene an der Bautzener Straße ist frei von Schäden geblieben.

Weitersagen, auch durchs Telefon, bis in die Ferne: Das Kunst- und Musikleben Dresdens ist so reich gesegnet wie immer und die Qualität der weltberühmten Staatskapelle hat keinerlei Einbußen genommen. Ganz abgesehen davon, dass die Szene in der Neustadt verschont blieb! Für Touristen sollte aus der Not eine Tugend werden: Gerade jetzt lohnt es sich, nach Dresden zu reisen: An Hotels besteht kein Mangel und die abendlichen Programme bieten viel Abwechslung – schließlich hat Dresden neben seinen Leuchttürmen auch noch andere Lichtblicke zu bieten: die Komödie im WTC, die Kabaretts Herkuleskeule sowie Breschke & Schuch, die Landesbühnen, die Staatsoperette, der Theaterkahn und und und ...

Man muss es wiederholen: Dresden ist nach wie vor eine Reise wert! Touristen und Besucher sollen kommen – und dürfen staunen. dz

Blick in die Bogengalerie der Porzellansammlung im Dresdner Zwinger: Nach einer aufwendigen Sanierungsphase werden aus dem reichen Bestand an ostasiatischen und Meißner Porzellan der königlichen Sammlung August des Starken 1.800 Exponate aus „weißem Gold“ wie in einer begehbaren, lichten Vitrine präsentiert.