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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Der Körnerweg

aus: StadtBlick 11 | 2003

Historisches rings um das Waldschlösschenareal

Hier wandelten die Körners: Zwischen dem Sommerhaus am Elbhang und dem Wohnhaus in der Stadt, wo heute das Westin Bellevue steht.

Wer vom Waldschlösschenareal den Elbhang hinunter geht, trifft bald auf einen Fußweg, der jedoch an dieser Stelle nicht namentlich gekennzeichnet ist. Erst in Loschwitz stellt der geneigte Passant überrascht fest: Es ist der Körnerweg, der vom Körnerplatz am Blauen Wunder immer in Elbnähe flussabwärts ins Stadtzentrum zur Inneren Neustadt führt.

Dieser Pfad hat einst die erste Dresdner Wohnung der Familie Körner (heute überbaut vom Fitnessbereich des Hotels Westin Bellevue) mit ihrem Weinberghaus in Loschwitz verbunden. Benannt ist der Weg nach jener Familie, die seinerzeit einen bedeutenden Beitrag zum Kulturleben der Elbestadt geleistet hat. Das Familienoberhaupt Christian Gottfried Körner war 27-jährig im Jahre 1783 als Verwaltungsjurist in die kurfürstlich-sächsische Residenzstadt Dresden berufen worden. Körner entstammte einer Generationenfolge angesehener Leipziger Theologen und Professoren und hatte selbst an der dortigen Landesuniversität das Studium der Rechte mit der Promotion erfolgreich absolviert.

Der kulturell vielseitig interessierte Körner, seine junge Frau und deren Schwester – eine begabte Malerin – nahmen bald zu dem 24-jährigen hoffnungsvollen Dramendichter Friedrich Schiller in Süddeutschland Kontakt auf. Als Hausgast bei Körners konnte der finanziell immer arg gebeutelte Dichter von 1785 bis 1787 sorgenfrei an seinem schriftstellerischen Werk arbeiten. In Körners idyllischem Sommersitz, der für damalige Verhältnisse weit außerhalb der Stadt lag, am Fuße des großen Weinbergs (heute Körnerweg 6), schrieb Schiller unter anderem das freiheitlich-politische Ideendrama „Don Carlos“ und vollendete hier seine Ode „An die Freude“, die als erster sein Freund Christian Gottfried Körner vertonte, vier Jahrzehnte bevor Ludwig van Beethoven als Schlusschor seiner 9. Sinfonie die heutige „Europahymne“ schuf.

Der Körner-Schiller Figurenbrunnen an der Schillerstraße.

An den klassischen Freundschaftsbund zwischen Körner und Schiller erinnert heute noch ein Figurenbrunnen am Hang der heutigen Schillerstraße, gegenüber dem sogenannten „Schillerhäuschen“. In der Nachfolge Schillers fanden sich viele namhafte Zeitgenossen – darunter Goethe, die Brüder Humboldt und Schlegel, Herder, Arndt – im gastlichen Stadthaus der Körners ein, das bald als geistiger Mittelpunkt des alten Dresden weit über Deutschland hinaus ausstrahlte. In dieser Atmosphäre begann auch das kurze Leben Theodor Körners, der als Freiwilliger bei den Lützowern und Dichter der Befreiungskriege 1813 durch seinen frühen Tod bekannt wurde.

Am Körnerweg erinnerte lange Jahre auch ein Sandsteinrelief in der Mauer des Elbhangs zwischen Waldschlösschen und altem Wasserwerk Saloppe an Theodor Körner und das Lützowsche Freikorps. Als nahe dabei die damalige Stasi-Verwaltung eine Wachhunde-Laufanlage errichten ließ, wurde das Körnermonument abgerissen.

Heute passieren jährlich tausende Spaziergänger den Körnerweg, ohne zu wissen, dass er nach eben jener Familie benannt wurde, die hier vor langer Zeit die Elbe entlang pilgerte. Während am ehemaligen Weinberghaus der Körners derzeit gearbeitet wird, ist der Körner-Schiller Figurenbrunnen an der Schillerstraße (Foto) zunehmend in Vergessenheit geraten.

Text: Dr. Günter Klieme | Fotos: RK



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