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Waldschlösschenareal Dresden   Sonntag, 05. Februar 2012 
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Ein Industriedenkmal in der Albertstadt

aus: StadtBlick 11 | 2003

Das älteste Wasserwerk Dresdens liefert Strom für Infineon

Der Besuch in Dresdens ältestem Wasserwerk beginnt mit einer Sinnestäuschung. Im Maschinenhaus des sogenannten Alten Brunnens riecht es nach Maschinenöl, und das schwarz lackierte Schwungrad mit dem Motor erinnert ein wenig an die Technik im Bauch von Dampfschiffen. „Hier wurde von Anfang an mit Elektrizität gearbeitet, Dampf hat hier nie eine Rolle gespielt“, korrigiert Ralf Richter, Obermaschinist im Wasserwerk Tolkewitz und damit auch für das Wasserwerk an der Charlottenstraße zuständig. „Electricitäts=Actiengesellschaft vorm. H. Pöge Chemnitz“ steht auf dem 125-PS-Motor, der zusammen mit dem Schwungrad aus der Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau die Pumpen angetrieben hat, die das Grundwasser in den 120 Meter höher gelegenen Hochbehälter an der Schwedenschanze drückten. Das war im Jahr 1902, als das Wasserwerk eröffnet wurde, der neueste Stand der Technik.

Zwischen Plattenbauten in der Radeberger Straße und Gründerzeitvillen an der geschäftigen Charlottenstraße gelegen, ist das Wasserwerk Albertstadt eine Idylle der Industriearchitektur. Zwischen gepflegten Rasenflächen stehen verstreut ein paar Gebäude in der typischen Klinkerarchitektur der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Neben dem Alten Brunnen gibt es noch ein kleines Werkstatt- und Lagergebäude. Hier wohnten früher die Maschinisten. Heute werden die Anlagen von einer Schwesterfirma der DREWAG verwaltet. Etwas versteckt hinter Bäumen, direkt an der Charlottenstraße, befindet sich der Neue Brunnen von 1916 in einem schlichten weißen Gebäude.

Der Neue Brunnen, gebaut im Jahr 1916.

„Wasserwerk Albertstadt“ – der Name weist schon auf die Bestimmung vor über hundert Jahren hin. Die Albertstadt mit Kasernen, Arsenal, Versorgungseinrichtungen, Lazarett, Militärgefängnis, Militärgericht, Garnisonskirche und Garnisonsfriedhof war mit 360 Hektar die größte und modernste deutsche Kasernenstadt der damaligen Zeit. Die Wasserwerke der Stadt Dresden konnten nicht mehr genug Trink- und Löschwasser liefern, so dass auf Beschluss des „Königlich-Sächsischen Kriegsministeriums“ eine eigene Wasserversorgung geschaffen wurde. Aus 42 Metern Tiefe wurden stündlich 150 Kubikmeter Grundwasser aus der Dresdner Heide gepumpt, bei einer täglichen Betriebsdauer von 14 Stunden sind das 2.000 Kubikmeter am Tag. Bereits zehn Jahre später, im Jahr 1912, stellten die Betreiber fest, dass der Grundwasserpegel gesunken war. Die Pumpen mussten das Wasser aus größerer Tiefe ansaugen, das führte zu höherem Verschleiß und Wartungsaufwand, so dass im Jahr 1916 der Neue Brunnen in Betrieb genommen wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Reichswehr stark verkleinert und auch die Albertstadt brauchte nicht mehr so viel Wasser. Das Wasserwerk und die Hochbehälter konnten an das Dresdner Wassernetz angeschlossen werden. Im Jahr 1991 musste das Wasserwerk Albertstadt für zwei Jahre vom Netz genommen werden, weil sich herausgestellt hatte, dass das Grundwasser in der Dresdner Heide kontaminiert war. Im Jahr 1993 wurde eine Aufbereitungsanlage auf dem Gelände der Hochbehälter am Fischhaus, dem ehemaligen Saloppe-Hochbehälter, gebaut. Bis zum Jahr 1995 wurden auch die Pumpenschächte und die Schöpfbrunnen saniert und neue Elektropumpen installiert.

Im Maschinenhaus gibt es neben der denkmalgerechten Antriebsanlage auch das Hebezeug für die Pumpen und den Fahrstuhl, der hinunter in den Brunnenschacht führt. Im Hintergrund rauscht es leise – „das ist die Brunnenstube“, erläutert der Maschinist. Da unten wird es erst richtig interessant für technikbegeisterte Besucher des Wasserwerks, doch Ralf Richter dämpft die Begeisterung sofort. „Hier dürfen nur Mitarbeiter der DREWAG runter, aus Sicherheitsgründen!“ Ralf Richter, der alle zwei Wochen Wasserproben nimmt, muss sich zunächst per Telefon bei den Kollegen abmelden, bevor er den Aufzug betritt. Außerdem muss er messen, ob die Luft im Schacht genügend Sauerstoff enthält. Wenn er sich nach einer bestimmten Zeit nicht zurückgemeldet hat, kommt ein Suchtrupp.

In den drei Jahren nach der Renovierung war das Wasserwerk bis 1998 ein wichtiger Bestandteil der Dresdner Trinkwasserversorgung, da die beiden Werke Tolkewitz und Coschütz saniert werden mussten. Und damit hätte die fast hundertjährige Geschichte des Wasserwerks Albertstadt auch schon ein Ende haben können. Denn in den neunziger Jahren ist der Wasserverbrauch in Dresden stark gesunken. Die großen Industriebetriebe wurden geschlossen, es wurde weitaus weniger Wasser verbraucht. Auch Privatkunden gehen heute sparsamer damit um. Die beiden Maschinenhäuser des Alten und des Neuen Brunnens hätten in einen Dornröschenschlaf fallen können.

Doch dann fragte die Firma Infineon bei der DREWAG nach großen Mengen Rohwasser an. Rohwasser ist das Wasser, so wie es aus den Brunnen kommt. Trinkwasser, wie wir es aus dem Hahn bekommen, muss strengen Anforderungen in puncto Inhaltsstoffe und Keimfreiheit genügen und wird daher aufbereitet, bevor es in das Leitungsnetz eingespeist werden kann. Gerade dieses aufbereitete Wasser kann für die hochempfindliche Produktion im Reinstraum nicht verwendet werden. Firmen wie Infineon reinigen ihr Wasser nach eigenen Kriterien.

Seit August 2002 liefert das nunmehr älteste Wasserwerk Dresdens täglich bis zu 8.500 Kubikmeter Rohwasser aus den zwei Brunnen an der Charlottenstraße und dem Waldbrunnen in der Dresdner Heide an das Infineon-Werk auf dem Heller, eine der modernsten Fabriken der Stadt. Bisweilen – zuletzt zum Tag des offenen Denkmals – wird die hochinteressante Anlage für Besucher geöffnet.

Text: Gundula Schmidt-Graute | Fotos: Ralf U. Heinrich



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