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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 08. September 2010 
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aus: StadtBlick 11 | 2003

Gregor Gysi beim 14. Dresdner Wirtschaftsforum im Arteum

Gregor Gysi, der Frontmann der PDS und die Lichtgestalt deutscher Talkshows, präsentierte sich beim 14. Dresdner Wirtschaftsforum der Bayerischen Immobilien Gruppe im Arteum wie ihn viele kennen und fürchten: provokant und unbequem, ja auch gewohnt bissig. Und, das muss man dem umtriebigen Rechtsanwalt zugestehen, auch betont lässig. Wenn keine Kameras auf ihn gerichtet sind, verfällt die „politische Plaudertasche“ nach kurzer Einlaufphase in Berliner Dialekt – „Ick hör’ gleich auf“, sagt er – und tut es freilich nicht.

Gysi, zur Erinnerung sei es aufgelistet, war von 1990 bis 1993 Chef der PDS, seit 1990 über drei Legislaturperioden im Bundestag und dort bis Oktober 2000 Vorsitzender der PDS-Fraktion. Nach nur sechsmonatiger Tätigkeit als Wirtschaftssenator und Bürgermeister in Berlin („Erstmals konnte ein Kommunist ins Machtzentrum einziehen“) trat er im vergangenen Jahr wegen der Bonusmeilenaffäre zurück und ist seitdem wieder als Rechtsanwalt und Publizist aktiv. Schlagfertig, trickreich, Tag und Nacht im Einsatz – so gibt sich Gregor Gysi allzu gern.

In der intimen Atmosphäre des Arteum-Kellergewölbes vor knapp 200 Gästen zieht der begnadete Selbstdarsteller die aufmerksamen Zuhörer mit Esprit und Witz, aber auch mit politischen Strategien in seinen Bann. Gunnar Saft, Politikredakteur der Sächsischen Zeitung und Vorsitzender der Landespressekonferenz, hat es als Moderator schwer, zu Wort zu kommen. Der Gast lässt ihm kaum Zeit, Fragen zu stellen, Regie zu führen. Ritter Gregor spricht mit offenem Visier, wie ihm der „Schnabel gewachsen“ ist. Der ideale Verpackungskünstler.

Ausgangspunkt des Abends war eigentlich das neue Buch von Gregor Gysi: „Was nun?“ Einerseits eine persönliche Bilanz des Politikers G., andererseits ein räsonierendes Werk, in dem es um die Entwicklung und die Zukunft Deutschlands geht. Und natürlich um die PDS, die laut Frontmann Gysi „ihre Erotik“ verloren hat. Gysi, so lässt der Verlag wissen, „befasst sich mit den Voraussetzungen des Friedens ebenso wie mit der Absurdität des Krieges. Er schreibt über die Macht der Medien und zeigt Perspektiven auf, die Wirtschaft anzukurbeln, ohne die soziale Gerechtigkeit zu opfern.“ Kritiker (wie die Spiegel-Redaktion) sehen es anders. Demnach sei das Buch gespickt mit Anekdoten aus der Berliner Lokalpolitik, die allerdings politisch belanglos sind. Dabei beweist Gysi auch beim Wirtschaftsforum, dass er komplexe Themen wie die Renten- oder Gesundheitsreform in wenigen Minuten (scheinbar) schlüssig abhandeln kann. Gerade denkt man darüber nach, ob es nach Gysis Plan tatsächlich funktionieren könnte, da ist er zu einem anderen Thema ausgewichen und beackert die nächste Jahrhundertaufgabe. Was ihn mit anderen Politikern eint: Er beantwortet die – zugegeben komplizierten – Fragen nach der Zukunft Deutschlands nicht. Was ihn unterscheidet: Seine Antworten sind immerhin unterhaltsam erzählt. Seine eigene Kaste schont er nicht: Zwar widerspricht er der These, dass Politiker faul seien. Vielmehr seien sie recht fleißig, aber käme eben nichts dabei heraus. Dass derzeit Politik nach Kassenlage und mit dem Rasenmäher gemacht werde, muss er den Anwesenden nicht erklären. Allein, dort wo die PDS mitregiert, sieht es nicht anders aus. Deshalb geht er bisweilen mit der eigenen Partei auch hart ins Gericht: „Die denken, jeder Satz, den sie beschließen, ist morgen Wirklichkeit.“

Der feinfühlige Rethoriker schwingt sich einmal mehr zum Rächer der Entrechteten und Sprachrohr des Mittelstandes auf. Großen Beifall erhält er für den Vorschlag, die Behördenwege zu verkürzen, indem nicht mehr die Antragsteller für Genehmigungen deren Dringlichkeit nachweisen müssten, sondern die Behörde ihrerseits innerhalb kürzester Zeit nachweisen müsste, warum ein Antrag abgelehnt werden soll. Beweisumkehr heißt das im Anwaltsdeutsch und wäre auch für Dresden famos. Nur, und da wird Gysi still, in Berlin ist es ihm auch nicht gelungen.

Was nun, Herr Gysi? Bei aller gebotenen Differenzierung und Vorsicht, wäre er doch in der politischen grauen Masse dieser Tage ein Farbtupfer (Gysi: „CDU und SPD unterscheiden sich kaum noch. Beide wollen mir den Zahnersatz wegnehmen.“). Aber auch auf die Frage nach seiner politischen Zukunft weicht der Stratege aus: Zwölf Jahre Bundestag inklusive Verunglimpfungen und Medienschelte seien ausreichend. Andererseits gehört er nach eigener Aussage noch lange nicht zu denjenigen, die zuschauen, wenn andere entscheiden.

Fazit nach einem unterhaltsamen Abend: Obwohl er sich und sein Publikum nicht schonte, bekam er viel Beifall. Selten verlief ein Wirtschaftsforum so locker und gab es so eine lange Diskussion mit dem Hauptakteur.

Das Frage-und-Antwort-Spiel probierten Gregor Gysi und Moderator Gunnar Saft (SZ) schon vor dem öffentlichen Teil.

Gästeliste:
Michael Bader, ESAG; Dr. W. Beyer, Xenon Automatisierungstechnik GmbH; Uta Bierwagen, Dresdner Bau-Consult GmbH; Jens Blumrich, Heuking Kühn Lüer Wojtek; Kornelia Boden; M. Böhme, IPRO Dresden; Peter Bossert, DREWAG; Dirk Bunzel, BARMER Ersatzkasse; Enrico Damme, Journalist; Jörg Dittrich, Dachdeckermeister, Claus Dittrich GmbH & Co. KG; Mark Eckert, Deutscher Tele Markt GmbH; Karin Ehrig, Telefonbuch-Verlag Sachsen GmbH; Ralf Exner, 1. Dresdner Medaillenmünze Glaser & Sohn GmbH; Kay Fischer, DREWAG; Christian Flössner, Saxonia Apotheke; Rex Förster, Saxoprint GmbH; Barbara Gerbet, Blumenstudio Waldschlösschen; Joachim Gerhardt, Cirrus Research plc.; Jörg Goronzy, ddkom; Bernd Gorzel, Ströer City Marketing GmbH; Torsten Grüber, Immobilienvertretung Grüber & Hensel GbR; Andree Grun, BMW AG; Peter Grundmann, Kreisverband für Leichtathletik Dresden e.V.; Knut Haase, Immobilienmanagement; Bernd Hartwig, Stadtverband Fußball; Andreas Hasenpusch, Bauplanung Sachsen GmbH; Hans-Christian Heier, im / pro GmbH; Dr. Claus Dieter Heinze, GEHO Fenster und Bauelemente GmbH; Dr. Steffen Herrlich, Systema GmbH; Andreas Herrmann, adrem Hochschulzeitung; Mario Howard, DB Immobilien GmbH; Karltheodor Huttner, Agentur für Medien- und Politikberatung Dresden; W. Jank, Telecom Partner in Dresden GmbH; Dr. Rainer Kempe (PDS); Gundula Kernert, MedienTeam Dresden GmbH; Ulrich Klein, K. Hähle Immobilien; Michael Kraft, Michael Kraft Immobilien; M. Kreisel, Kreisel Dresden GmbH & Co. KG; Sigrid Kreußel, Sachsen Forum; Jens Krüger, Stadtverwaltung Großenhain; Alexander Krusche, www.Deutscher Tele Markt GmbH; Ludwik Krzywinski, SCP Sachsen Consult Poznán GmbH; Dieter Lange, „Lingner-Stadt“ Grundstücks- und Gebäudeverwaltungsgesellschaft; Dirk Langner, Richert & Oertel; Dr. Andreas Langnickel, DKB Deutsche Kreditbank AG; Barbara Lässig, Lässig Werbung Dresden; Steffi Liebig, APOGEPHA Arzneimittel GmbH; Dr. Jürgen Löffler, Deutsche Olympische Gesellschaft; Jürgen Lohse, Eybe Lohse und Partner; Ingrid Mattern, Sächsischer Landtag, PDS-Fraktion; Gerhard Motschko, World Trade Center Dresden; Dr. Nikolaus, Kreissportbund Dresden e.V.; Gerd Oltmann-Janßen, Sachsenmilch AG; Christine Ostrowski (PDS); K. Pietsch, Kinetics Germany GmbH; Lutz Pietschmann, dresden elektronik ingenieurtechnik gmbh; Heiko Prötzsch, VOGT electronic FUBA GmbH; Dr. E. Reißmann, Xenon Automatisierungstechnik GmbH; Dirk Richter, Damm · Rumpf · Hering; R. Riek, Sixt GmbH & Co. Autovermietung KG; Harald Riße, B+K Gebäudereinigung Dresden GmbH; Oliver Rotsche, Planen + Wohnen; M. Rudolph, PHF Projekt- und Baubetreuung GmbH; Renate Ruhnau, Dresdner Woche; Petra Schmidt, Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH; Rainer W. Schraub, BMW AG; Gunter Schreiber, MBM Metallbau Dresden GmbH; Kay Schwarze, Tenovis GmbH & Co. KG; Jürgen Seidel, Wirtschaftsjournal Sachsen; Hartmut Seifert, KIB Projekt GmbH; Peter Seipel; G. Sobolewski; Michael Karsten Spayer, Rechtsanwalt; Henry Stritter, mobilconcept gmbh; Axel Teuber, Power Personen-Objekt-Werkschutz GmbH; Gerhard Teucher, QMF Dresden GmbH; Karsten Thiere, Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG; Volker Ulrich, Sachsenverlag; Dr. med. J. Wächter, Fachzahnarzt; Reinhard Wagner, Tokyo Electron Deutschland GmbH; Thomas Wagner, Drewag; Wehlan C. Morgenstern GmbH; Steffen Weiß, Debeka; Anett Wetterny-Richter, Rechtsanwältin; Dr. Endrik Wilhelm, Kucklick Wilhelm Börger Wolf & Söllner Rechtsanwälte; Sabine William, AWD pharma GmbH & Co. KG; Dr. Joachim Wolf, Unternehmerverband Sachsen e. V.; Steffen Wurm, Allianz-Hauptvertretung; Ronny Zeidler, Tenovis GmbH & Co. KG; Wolf-R. Ziegenbalg, Agentur NBL Businessberatung Wirtschaft & Sport; Dr. rer. nat. W. Zikandeloff, Euro Trade; Gert Zimmermann, MDR.

Text: Michael Weichelt | Fotos: Ralf U. Heinrich



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