Geplastert mit Geschichte
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aus: StadtBlick 9 | 2003
Die Bettinastraße in Dresden-Neustadt
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Die kürzeste aller nach bedeutenden Frauen benannten Straßen im Waldschlösschenviertel steht im umgekehrten Verhältnis zur kulturgeschichtlichen Bedeutung ihrer Namensträgerin. Denn unter den bemerkenswerten Frauengestalten nimmt Bettina von Arnim einen vorderen Platz ein. Sie wurde als Anna Elisabeth Brentano 1785 in Frankfurt am Main geboren. Erzogen wurde sie größtenteils im Offenbacher Haus ihrer Großmutter, Sophie von La Roche, einer zeitgenössischen Erzählerin und Reiseschriftstellerin. Diese gehörte zum Bekanntenkreis des jungen Goethe, der ihre Tochter Maximiliane gern sah. Auch von Maximilianes Tochter Bettina war Goethe angetan. Sie glichen sich durch ihre musische Begabung, durch überdurchschnittliche Intelligenz, gepaart mit Eigenwilligkeit und Begeisterungsfähigkeit. Die südländische Schönheit Bettinas, die aus einer alten italienischen Familie stammte, weckten in Goethe die Erinnerungen an seinen Romaufenthalt.
Mehrmals besuchte Bettina den Geheimrat in Weimar. Sie sprach mit Goethe über Einzelheiten aus seiner Jugend, die sie von seiner Mutter erfahren hatte. Mit Letzterer hatte Bettina in Frankfurt ein Jahrzehnte andauerndes herzliches Einvernehmen verbunden. Goethe verwendete den Gedankenaustausch für die Arbeit an „Dichtung und Wahrheit“. Bettina ihrerseits veröffentlichte später dazu ihr Werk „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“, eine schwärmerische Ode an den Dichter. Auch mit ihrem Bruder unterhielt Bettina eine umfangreiche Korrespondenz, später herausgegeben als „Clemens Brentanos Frühlingskranz, aus Jugendbriefen ihm geflochten“. Als den jungen Clemens Brentano innige Freundschaft mit dem märkischen Dichter Ludwig Achim von Arnim verband, gesellte sich alsbald Bettina hinzu. Im romantischen Heidelberg entstand aus der Zusammenarbeit die mehrbändige Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Seit ihrer Hochzeit wohnten Bettina und Achim von Arnim auf dessen Gutsherrschaft Schloss Wiepersdorf (Brandenburg), bis heute ein kultureller Treffpunkt von Künstlern, Dichtern und Schriftstellern.
Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes beteiligte sich Bettina in der preußischen Hauptstadt Berlin nicht nur am preußischen Kulturleben, sie griff auch in die Politik ein. Sie pflegte ein unverkrampftes Verhältnis zu jüdischen Bekannten in Frankfurt und polnischen Emigranten. Als engagierte Demokratin wies sie den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in Briefen und dem zweibändigen Werk „Dies Buch gehört dem König“ auf die katastrophale Lage der Armen hin und bekannte sich vorbehaltlos zum Aufstand der schlesischen Weber sowie zur Revolution von 1848.
Bei ihren (seltenen) Besuchen in Dresden interessierte sie sich insbesondere für die berühmten Kunstsammlungen. Dabei begegnete ihr auch der Dresdner Naturforscher, Arzt und Maler Carl Gustav Carus, der die emanzipierte Dame wenig schmeichelhaft als „Virago (blaustrümpfiges Mannweib), die Brille auf der Nase“ beschrieb.
Bettina von Arnim starb 74-jährig in Berlin, von vielen verkannt, von wenigen treuen Freunden betrauert. Mit ihrem Wirken und ihren Gedanken hatte sie weit über ihre Zeit hinaus in die Zukunft gewiesen.
Text: Dr. Günter Klieme | Foto: Ralf U. Heinrich
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