Klarastraße mit berühmter Namensgeberin
|
aus: StadtBlick 6 | 2002
Straßen der Neustadt
 |
Einst erstreckte sich die Dresdner Heide bis hinunter zur Elbe, doch mitten durch den lichten Waldbestand verlief die Bautzner Straße beinahe wie heute. Als um 1900 östlich vom Waldschlösschen und Meisenberg ein neues Stadtviertel nobler Villen entstand, wurden die dortigen Straßen teilweise zu Ehren von Frauen benannt, die sich im Kulturleben des 19. Jahrhunderts besonders ausgezeichnet hatten. Zu Anfang jenes Jahrhunderts, während der klassisch-romantischen Epoche, waren einige dieser Frauenpersönlichkeiten sogar selbst in Dresden wirksam gewesen. Dass man nur deren Vornamen verwendete, lässt vermuten, wie bekannt die berühmt gewordenen Frauen damals waren. Mit der folgenden Artikelserie soll nach und nach versucht werden, diese vielleicht verloren gegangene Kenntnis wieder aufzufrischen.
Klarastraße
Die berühmte Pianistin Klara Schumann wurde am 13. September 1819 unter dem Namen Clara Josephine Wieck in Leipzig geboren. Ihr Vater, der damals wohlbekannte Gesangs- und Klavierpädagoge Friedrich Wieck (sein Sterbehaus steht in der nach ihm benannten Straße in Dresden-Loschwitz), hat durch unnachgiebige Strenge sein Ziel tatsächlich erreicht, seine älteste Tochter zu einer führenden Klaviervirtuosin ihres Jahrhunderts heranzubilden. Bereits als neunjähriges Wunderkind musizierte Clara in den Salons des kunstinteressierten Bürgertums ihrer Zeit, so unter anderem bei den Professoren Dr. Ernst August Carus in Leipzig sowie dessen Onkel, Dr. Carl Gustav Carus in Dresden. Als Meisterin ihres Fachs ging die Heranwachsende bald auf Tournee durch die Konzertsäle Europas, dabei begleitet von ihrem Vater, der unduldsam jegliche Bewunderer der aufblühenden Schönheit abzuwehren versuchte. Vor allem die aufkeimende Zuneigung zwischen Clara und dem jungen Komponisten Robert Schumann, der als Klavierschüler ins Haus kam, beobachtete Friedrich Wieck bald mit Argwohn. Denn der Gedanke war für ihn schrecklich, dass seine Tochter anstatt einer glanzvollen musikalischen Karriere als Ehefrau eines – wie er fälschlich meinte – unbedeutenden Komponisten verkümmern sollte. Obwohl Vater Wieck die Liebenden mit allen Mitteln voneinander fernhalten wollte, festigte er den Zusammenhalt des jungen Paares nur noch mehr. Nach einem heimlichen Treffen mit Clara hier in Dresden bat Robert Schumann den starrsinnigen Alten schriftlich, jedoch vergeblich um die Hand seiner Tochter, zwar gerade an deren achtzehnten Geburtstag, dennoch war damit deren Volljährigkeit noch nicht erreicht. Aber selbst schmutzige Intrigen und Verleumdungen als peinliche letzte Mittel des alten Mannes konnten die schließliche Verbindung von Clara und Robert nicht mehr verhindern. Sogar noch vor Gericht mussten beide die vorenthaltene Bewilligung zur Heirat erstreiten, die am 12. September 1840 in der Dorfkirche zu Leipzig-Schönefeld stattfand.
Clara als gefeierte Künstlerin und gleichzeitig Ehefrau sowie Mutter von acht Kindern hatte kein leichtes Leben, doch war es randvoll erfüllt. Schon auf ihrer ersten gemeinsamen Konzertreise zeigten sich bei Robert Schumann die Anzeichen jener damals unheilbaren Krankheit, die seinem Leben und Schaffen ein allzu frühes Ende setzte. Ein besonderer Lichtblick waren die produktiven Schaffensjahre des Künstlerpaares, als beide mit ihren Kindern von 1844 bis 1859 in Dresden wohnten (damals Reitbahnstaße 24). Im Bürgertum und der befreundeten Dresdner Künstlerschaft erfreuten sich beide höchster Achtung und Anerkennung. Von nun an wirkte Clara Schumann als exzellente Interpretin der bald berühmten Klavierwerke ihres Mannes, ebenso auch eigener Kompositionen. Anfang Dezember 1845 wurde Robert Schumanns überragendes Klavierkonzert a-moll mit Clara als Solistin in Dresden uraufgeführt. Nach dem Ortswechsel der Familie ins Rheinland, wo Robert Schumann in Düsseldorf eine Stellung als Musikdirektor angenommen hatte, verschlechterte sich zunehmend sein Gesundheitszustand, so dass er nach einem Selbstmordversuch auf eigenen Wunsch in eine Nervenheilanstalt gebracht wurde. Zwei Jahre danach starb der unheilbar Geisteskranke dort erst 46-jährig.
Clara nahm aus finanzieller Notwendigkeit ihre Konzerttätigkeit wieder auf und wurde auf zahlreichen Tourneen enthusiastisch gefeiert, musste aber ihre Kinder in Internaten unterbringen. Nahezu 60 Jahre alt, erhielt sie die Berufung als Professorin an das Konservatorium in Frankfurt am Main. Im Jahre 1891 gab sie ihr letztes öffentliches Konzert. Nach zwei Schlaganfällen starb Clara Schumann am 20. Mai 1896 und wurde in Bonn an der Seite Robert Schumanns beigesetzt.
Anmerkung
|
Die Schreibung des Namens von Clara Schumann mit „K“ oder „C“ schwankt je nach Auffassung der zeitgenössischen gültigen Rechtschreibung. Bei der Benennung der Straße um die Jahrhundertwende, wurde vermutlich im damaligen aktuellen Brockhaus Lexikon aus dem Jahr 1895 nachgeschlagen, der Clara Schumann mit „K“ schreibt. Diese Deutung der Schreibweise mit „K“ ist nicht belegt, aber nach Recherchen die Wahrscheinlichste.
|
Text: Dr. Günter Klieme | Foto: Ralf U. Heinrich
|