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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Partyfeeling bis es dem Morgen graut

aus: StadtBlick 5 | 2002

Die Pussytotalbar wird sesshaft und besetzt die ehemalige Tunnelschänke am Waldschlösschen

Es klingt zwar nicht ganz wie ein Märchen – trotz 1001 Nächte – aber ein bisschen nach Aufschwung Ost der sympathischen Art. Und wie im wahren Leben: Das glückliche Ende ist ein Neuanfang, und der wird am 7. Dezember in den Gewölben unterhalb des Waldschlösschens bis es dem Morgen graut gefeiert.

Doch der Reihe nach: Vor nicht allzu langer Zeit kamen vier junge Studenten nach Dresden, denen die Stadt vor allem des Nachts, wenn die Uni geschlossen hat, zu langweilig schien.

Vor vier Jahren veranstalteten sie die ersten Parties, der Name „Pussytotalbar“ (PTB) drängte sich während eines gemeinsamen Urlaubs auf. Die anfänglichen Jugendsünden, zum Beispiel vier Blondinen mit Federboa an der Bar – wurden schnell abgelegt. Programm war aber der ständige Ortswechsel – man gastierte zum Beispiel in den Gewölben an der Albertbrücke, im Ex-Picknick am Ex-Fucikplatz oder auch im TiF – und die ausschließliche Mund-zu-Mund-Propaganda unter Studentenkreisen. Die PTB avancierte vom Geheimtipp zum Stadtkult. Alljährliche Gastspiele beim Elbhangfest oder der Bunten Republik Neustadt festigten das Terrain, auch wenn drei der vier Party-Musketiere inzwischen sich wieder ausschließlich dem Studium oder anderen Städten widmen.

Höhepunkt der Dekadenz: Clemens „Partystar“ Lutz wollte Oberbürgermeister Dresdens werden. Wie bekannt, gewann ein anderer, so dass sich der 31-Jährige nun neuen Aufgaben widmen kann – und das ist gut so. Das derzeitige Domizil, ein Bahntrassengewölbe an der Ecke Leipziger/Antonstraße, wird zum 31.12. von der Bahn zwecks Sanierung der Strecke von Neustadt nach Mitte zurückgebucht. Die ehemalige Tunnelschänke (Bautzner Straße 153), ins Gewölbe des Waldschlösschenareals gebettet, bietet ähnliche Unabdingbarkeiten für unendliche Parties mit laufendem Gästefluss: Ruhestörung nahezu unmöglich, genügend Parkplätze im Umfeld, intakte Infrastruktur samt ÖPNV-Anbindung und ruhige Open-Air-Flächen für ganz Eilige.

Innen wird aber ein Wandel vollzogen – weg vom „improvisierten Schmuddellook, hin zu einem edlen Ambiente“ mit größerem Cocktailangebot. Und die Räumlichkeiten sind weiter klein genug für Exklusivität. Während sich „Partystar“ weiter um Bar, Frauen und „strenge Türe“ kümmert, steht ihm künftig DJ Elektroberto alias „Dekogott“, Klarname Robert Münch, bei der Organisation, dem Booking und der Werbung zur Verfügung. Jeden Freitag ab 22 Uhr wird das Stammpublikum seinen Weg nunmehr gen Nordosten nehmen, denn die wenigen Plätze sind begehrt, die House-DJs werden vornehmlich aus Dresden kommen. Einen Sonnabend pro Monat soll dann eine „fette Plattentellerberühmtheit aus Sonstwo“ gebucht werden. Weitere Veranstaltungen sind durchaus möglich.

Nun zieht also auch in der Zwischenzeit – nachdem das letzte Bier im Brauhaus gezischt, die letzte Filmrolle im Bofimax abgespult und die letzten Konzerttöne im Tonnengewölbe verklungen, und bevor der Konsum eröffnet – Leben ein ins Waldschlösschen.

Text: Elmar Mann



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