Stadtarchiv(ar) ohne Verstaubtheit
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aus: StadtBlick 5 | 2002
Das Dresdner Stadtarchiv und sein Direktor Thomas Kübler.
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Der Direktor des Stadtarchivs Thomas Kübler.
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Für Thomas Kübler und sein Team ist die Zeit nicht stehen geblieben, wenn auch alles „zu den Akten gelegte“ von ihnen sorgsam aufbewahrt und bei Bedarf für jedermann zum Einblick freigegeben wird. In der Geschichte des Dresdner Stadtarchivs gibt es Säulenheilige wie den Ratsarchivar Otto Richter (er leitete von 1879 bis 1912 die Institution und gilt als Reformer), deren Andenken im historischen Gedächtnis verblasst sind, nicht aber bestimmte Akten aus verschiedenen Jahrhunderten, die zu den unveräußerlichen Schätzen Dresdens gehören. Es grenzt an ein Wunder, dass der überaus reiche Fundus des Dresdner Stadtarchivs über das Inferno des 13. Februar 1945 hinaus gerettet werden konnte und das Archiv, gemessen an schmerzlichen Kriegsverlusten (Plünderung, Wassereinbrüche und blindwütige Zerstörung) im Verhältnis zu anderen deutschen Städten immer noch gut bestückt ist. Das betont auch Thomas Kübler immer wieder gegenüber Besuchern, zu denen nicht nur Dresdner gehören.
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Der Besuchereingang des Dresdner Stadtarchivs.
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Nach einer unsäglichen Odyssee in Provisorien konnten große Teile des Archivs im Gebäude des ehemaligen Königlich-Sächsischen Kriegsarchivs auf der Marienallee deponiert werden; ein Teil davon war zerstreut in verschiedenen Stadtteilen zwischengelagert. Mit der politischen Wende ergaben sich auch für ein Archiv mit scheinbar nur musealisch wertvollen Akten neue Optionen: sprunghaft stiegen nach 1990 beispielsweise die Anträge an, in Grundbücher oder Adressbücher einsehen zu dürfen. Der Wert der Akten für manchen, der ungeklärte Besitzverhältnisse zu seinen Gunsten klären wollte, stieg erheblich. War doch die amtlich bestätigte Kopie oftmals ein Trumpf in der Hand, den der eine oder andere Grundstückbesitzer gegenüber der Treuhand geltend machen konnte, um Recht zu bekommen.
Mit Grauen erinnert sich Thomas Kübler an die äußeren Bedingungen wie schlechte Heizung und mangelnde Speicherkapazität – von Klimatisierung und moderner EDV war noch keine Rede – unter denen die Mitarbeiter zu leiden hatten. Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit kamen dabei denkbar schlecht weg.
Im Hinblick auf das sich abzeichnende Stadtjubiläum im Jahre 2006 und die damit verbundene Forschungsarbeit und getragen von der Verantwortung wertvolles Kulturgut zu erhalten, war die Notwendigkeit, einen modernen Standort für das aus allen Nähten platzende Archiv zu finden, die Forderung des Tages. Die sprichwörtliche Mangelwirtschaft in der DDR zögerte die Fertigstellung eines Erweiterungsbaus immer wieder hinaus, und als er schließlich 1991 übergeben werden konnte, erwies er sich als so unzulänglich, dass nur noch als Lösung des akuten Raumproblems ein Archiv-Neubau angestrebt werden konnte.
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Rollregalanlagen im Magazinbereich.
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Deshalb fasste der Stadtrat 1997 den Beschluss, das Mehlmagazin der ehemaligen Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei als Stadtarchiv umzubauen und auf 4.950 Quadratmeter das „papierne Gedächtnis unserer Stadt unterzubringen“, so Thomas Kübler. Die Ausführung, die alle bisherigen Erkenntnisse über Archivgebäude berücksichtigte und umsetzte, lag in den Händen der E.R.B. Grundstücksentwicklungs-GmbH und dessen Geschäftsführer Dr. Hans Hartl. Der gläserne Treppenturm und vor allem die Hightech-Ausstattung des Innenlebens (zum Beispiel Klimatisierung und Rollregalsystem) des „Neuen Stadtarchiv Dresden“ lassen die gelungene Symbiose von alt und neu sichtbar werden. Durch die Entkernung des Gebäudes, um im Inneren einen neuen Magazintrakt schaffen zu können, war die notwendige Speicherkapazität garantiert und durch den Ankauf von Gelände ist zukünftig eine Erweiterung möglich. Für die Dimension der wertvollen papiernen Flut hat der Archivdirektor anschauliche Zahlenvergleiche bereit: „Die Aktenmenge beläuft sich zur Zeit auf ca. 12 Kilometer, die Speicherkapazität ist aber auf 16 Kilometer ausgelegt. Dabei handelt es sich um Archivgut, das noch nicht von der Digitalisierung erfasst wird. Jährlich gehen wir von einem Zuwachs von 350 Meter aus. Schenkungen, die Vorlasse und Nachlasse einbeziehen, mitgerechnet.
Arbeitsplätze im lauten Lesesaal.
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Wichtig ist für unsere Arbeit, dass wir ein Pilotprojekt bei der EDV-Archivierung für die neuen Bundesländer erproben können. Darunter fällt auch eine von uns herausgegebene Zeitschrift, die das „virtuelle Rathaus“ zum Inhalt hat. Darüber hinaus soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir im Rahmen unserer breitgefächerten historischen Bildungsarbeit federführend bei der Erarbeitung einer Stadtgeschichte Dresdens für das Jubiläumsjahr 2006 (die 800-Jahr-Feier Dresdens) sind.“
Welche Highlights hat das Stadtarchiv vorzuweisen? Das würde den Rahmen eines solchen Beitrags sprengen, meint Thomas Kübler und nennt nur einige Beispiele, wie wichtig die Existenz des größten ostdeutschen Kommunalarchivs für die Kulturhistorie ist. Da wäre die Bereitstellung sämtlich vorhandener Pläne und Rechnungen für die Frauenkirche aus George Bährs Zeiten für die Forschungsarbeit der Denkmalpflege zu nennen, die für den Wiederaufbau wichtig geworden sind. Urkunden, Adressbücher und Stadtpläne aus mehreren Jahrhunderten haben genau so unersetzlichen Wert, wie Innungs- und Stiftungsakten, Briefe von bekannten Persönlichkeiten, Firmen- und Schulakten ...
Wer sich davon überzeugen möchte: Das Stadtarchiv ist dienstags und donnerstags von 9 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs von 9 Uhr bis 16 Uhr und freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr, der Lesesaal nur bis 16 Uhr geöffnet. Besucher erreichen es auf der Elisabeth-Boer-Straße mit den Straßenbahnlinien 7 und 8 bis Haltestelle Charlotte-Bühler-Straße, mit der Buslinie 91 bis Stauffenbergalllee oder mit der S-Bahn bis Haltestelle Industriegelände.
Anfragen sind unter Telefon 03 51/4 88 15 15 während der Öffnungszeiten des Stadtarchives möglich.
Text: Dieter Zumpe
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