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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Kraszewski Museum Dresden

aus: StadtBlick 5 | 2002

Dresden – Wahlheimat des berühmten polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski

Das heutige Kraszewski Museum in der Dresdner Nordstraße.

Wie damals am Rand der wachsenden Großstadt liegt das Vorletzte seiner einstigen Dresdner Wohnhäuser noch heute in einer kleinen Parkanlage ganz nahe bei der Prießnitz, die hier von der Dresdner Heide her noch offen fließt. In diesem ländlichen Haus, das er im März 1873 kaufte und bis zum März 1879 bewohnte, schrieb er die bis heute gern gelesenen Romane „Gräfin Cosel“, „Brühl“ und „Aus dem Siebenjährigen Krieg“, seine Sachsen-Trilogie, durch die er vor allem hierzulande bekannt geworden ist. Diese drei Bücher gehören zu dem umfangreichen Zyklus historischer Romane der Geschichte Polens von grauer Vorzeit bis ins 19. Jahrhundert, die als polnische Nationalausgabe 29-bändig von 1958 bis 1962 in Warschau herausgegeben wurden.

Im Jahre der Dresdner Ankunft Kraszewski’s, hatte sich gerade zum einhundertsten Male der 1763 geschlossene Frieden von Hubertusburg gejährt, der den sieben Jahre wütenden, dynastischen Krieg zwischen Preußen und Österreich beendete, dessen Schlachten sich so verhängnisvoll besonders auf dem Rücken des Sachsenlandes abgespielt hatten. Dieses Jahrhundertjubiläum war für Kraszewski der erwünschte Anlass, die August’sche Epoche und deren Auswirkungen auf Polen und Sachsen in Form von Romanen aus seiner persönlichen Sicht darzustellen.

Józef Ignacy Kraszewski, Dresden 1864

Obwohl Kraszewski lebenslang ein unruhig bewegtes Emigrantenleben führen musste, hat er seine Heimat und deren Freiheitskampf gegen das zaristische Rußland niemals vergessen. In Warschau, der Hauptstadt seines mehrmals unter den angrenzenden Großmächten aufgeteilten Heimatlandes Polen, wurde er am 28. Juli 1812 geboren. Er entstammte einer unvermögenden polnischen Adelsfamilie, die ihm dennoch eine vielseitige Gymnasialbildung sowie umfassende Studien an der litauischen Universität Wilna ermöglichte. Als 18-Jähriger wurde er während des missglückten Novemberaufstandes 1830/31 eingekerkert und sollte in den fernen Kaukasus verbannt werden. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wurde er aber nur unter Polizeiaufsicht gestellt und zog sich zu schriftstellerischer Tätigkeit auf seine Landgüter zurück. Aber die Machenschaften der zaristischen Polizei zwangen ihn auf der Höhe des Lebens, zusammen mit seiner Familie, in die Emigration zu gehen. Ihn zog es, wie damals Tausende seiner Landsleute, nach Sachsen, an welches sich die Polen schon deshalb erinnerten, weil im 18. Jahrhundert die sächsischen Kurfürsten August der Starke und danach dessen Sohn auch Wahlkönige Polens gewesen waren. In den Jahren 1858 bis 1864 hatten ihm mehrere Reisen durch Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland vielfältige Eindrücke und Erlebnisse gebracht, die er 1874 als „Blätter seiner Reise durch Europa“ veröffentlichte, worin er sich auch über das damalige Dresden und dessen Einwohner kritisch und zutreffend äußert. Fast das ganze letzte Drittel seines Lebens wohnte und arbeitete er von 1863 bis 1884 in seiner Wahlheimat Dresden; von hier aus organisierte er tatkräftige Hilfe für die flüchtigen polnischen Freiheitskämpfer. Nur noch selten besuchte Kraszewski seine Geburtsheimat, so 1879, als die Feier seines fünfzigjährigen Autorenjubiläum in Krakau zu einem nationalen Ereignis Polens wurde, das man auch in Dresden feierte.

Obwohl Kraszewski bereits 1869 sächsischer Staatsbürger und damit „echter Dresdner“ geworden war, machte man auf Betreiben Bismarcks dem schon 71-Jährigen den Prozess vor dem Reichsgericht in Leipzig – und verurteilte ihn wegen Spionage zugunsten des französischen Geheimdienstes. Wegen seines geschwächten Gesundheitszustandes wurde er gegen eine hohe Kaution aus der Festungshaft in Magdeburg vorzeitig entlassen. Sein letztes Asyl fand er auf schweizerischem Boden, wo er am 19. März 1887 in Genf starb. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde ihm die hohe Ehre zuteil, auf dem Wawel, der Königsburg in Krakau, beigesetzt zu werden.

Kraszewski gilt zu Recht als Begründer der polnischen Romanliteratur, mit der er zur Stärkung des Nationalbewusstseins seiner Landsleute beigetragen hat.

Kraszewskis Villa „Bieda“, die er von 1864 bis 1865 in Blasewitz bewohnte.

1. Abteilung
Historische und kulturelle Beziehungen zwischen Polen und Sachsen mit Portrait-Kopien der sächsisch-polnischen Herrscher August II. („der Starke“) und August III. sowie der Gräfin Cosel; nachgestaltete Wohnräume nach der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Portraits von Kraszewski und großen Persönlichkeiten Polens; rekonstruiertes Arbeitszimmer Kraszewskis mit Belegen seines literarischen, musikalischen und malerisch-zeichnerischen Schaffens sowie seiner Sammelleidenschaft.

2. Abteilung
Dresden als Zuflucht polnischer Emigranten nach den Aufständen von 1830/31, 1848 und 1863.

Informationen

01099 Dresden, Nordstraße 28
Tel 03 51 / 8 04 44 50
Leiterin: Joanna Magacz
Informationen zu Veranstaltungen im Internet unter www.stmd.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10.00–18.00 Uhr

Text: Dr. Günter Klieme | Fotos: Kraszewski Museum



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