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aus: StadtBlick 4 | 2001
Straßen der Neustadt
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Mit flinken neugierigen Fingern stöberte der dreijährige Louis in den Kästen, Schachteln und Schränken der Sattlerwerkstatt seines Vaters. Was für ein Paradies für einen aufgeweckten kleinen Jungen. Doch da war das Unglück schon geschehen, ein scharfes, schmutziges Messer verletzte sein Auge. Niemand kann dem Jungen helfen, nicht der Vater und nicht der eilig hinzugerufene Dorfarzt, der auch nicht verhindern kann, dass die Entzündung durch den Schmutz sich auf das andere Auge ausweitet. Er erblindet. Der Schock ist groß.
Doch seine Neugier und sein Wissensdurst, die ihm zum Verhängnis wurden, halfen dem kleinen Louis Braille mit der Situation schnell fertig zu werden. Er besucht erst die Dorfschule und wird ein ausgezeichneter Schüler. 1819 geht der überdurchschnittlich intelligente Junge an das Pariser Blindeninstitut, wo er aufgrund seiner herausragenden Leistungen bereits mit 16 Jahren als Hilfslehrer arbeitet. Während dieser Zeit erlernt er die von Charles Barbier zu militärischen Zwecken erfundene „Nachtschrift". Doch das System hat Mängel und ist schwierig zu erlernen. Sein leidenschaftlicher Wunsch, selbst zu lesen, seine Liebe zur Literatur, die er bisher nur durch Hören kennengelernt hat, lässt ihn das System verbessern.
Mit sechs Punkten pro Zeichen entwickelt er kaum sechzehnjährig – wahrscheinlich durch Probieren – ein Buchstaben- und Silbensystem aus 63 Bildern, mit denen er alle Buchstaben, Ziffern und Zeichen – später auch Noten – darstellen kann. Der Direktor des Instituts ist begeistert und unterstützt seinen Schüler, der auch ausgezeichnet Klavier und Orgel spielen kann. Er ermöglicht die sofortige Einführung der Schrift am Institut, wo man die neue, leicht erlernbare Schrift dazu benutzt, sich während des Unterrichts Notizen zu machen und miteinander zu korrespondieren.
Mit 20 Jahren wird Louis Braille am Blindeninstitut zum Professor ernannt; 1833 wird er sogar Organist in der „Notre Dame des Champs“. Seine unermüdliche Arbeit, unter anderem an der Verbesserung seiner Blindenschrift, die er damit auch Sehenden zugänglich machen will, greift seine Gesundheit an. Ehrgeizig und konsequent kämpft er darum, die Schrift trotz großer Widerstände der Öffentlichkeit vorzustellen und zugänglich zu machen. Sein Ehrgeiz ist nicht nur persönlicher Natur; er erkennt die Möglichkeit, Blinde in das Leben Sehender zu integrieren. Schließlich erkrankt Louis Braille an der damals unheilbaren Tuberkulose. Er stirbt bereits im Jahr 1852, kurz vor der Verleihung des „Kreuzes der Ehrenlegion“ und der endgültigen Anerkennung seiner Leistungen.
Den weltweiten Siegeszug seiner Schrift erlebte Louis Braille nicht mehr. In Deutschland wurde die Schrift 1879 beim 3. Blindenlehrerkongress eingeführt.
Die Louis-Braille-Straße verbindet die Radeberger Straße mit der Bautzner Straße und liegt parallel zur Waldschlösschenstraße.
Foto: Ralf U. Heinrich
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