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aus: StadtBlick 4 | 2001
Gespräch mit Dr. Udo Scheffel, Vorstandssprecher der Bayerischen Immobilien AG
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„Ich habe nur den Vertrag unterschrieben, die Arbeit haben unsere Dresdner Mitarbeiter gemacht.“ Soviel Zurückhaltung haben wir auf unsere Frage nach dem neuesten Mieter des Waldschlösschenareals nicht erwartet. Die Sachsenmilch wird im Herbst 2.300 m2 beziehen. Überhaupt ist das Gespräch mit Dr. Udo Scheffel eine Überraschung. Der „Herr“ der größten auf Deutschland fokussierten Immobilien AG, die über Bestandsimmobilien im Wert von fast 6 Milliarden Mark verfügt, äußert sich nicht nur souverän und unkompliziert, sein Stolz auf die Zugehörigkeit zu einem großen, starken Unternehmen klingt während unseres ganzen Gespräches durch. Das Büro des 49-jährigen befindet sich in München, dem Hauptsitz der Bayerischen Immobilien AG, wo auch rund 65 Prozent des Immobilienbestandes angesiedelt sind. Zu Dr. Scheffels Zuständigkeitsbereich gehört neben der Strategie und Unternehmensentwicklung auch die Niederlassung im Waldschlösschenareal.
Seine berufliche Bindung zu Sachsen hat auch eine emotionale Komponente, denn der verheiratete Vater zweier Kinder wurde in Zeitz, 40 km von Leipzig, geboren. Vor seiner Berufung als Vorstand der Bayerischen Immobilien AG arbeitete er bei der RAG Immobilien Gesellschaft des Ruhrgebietes. Dr. Udo Scheffel ist nicht nur Vorstand, sein Leben ist die Bayerische Immobilien AG. Sein Lächeln wirkt nicht gekünstelt, sein Optimismus und seine Ruhe trotz vollem Terminkalenders nicht aufgesetzt.
Warum engagiert sich die Bayerische Immobilien AG in Dresden?
Unser antizyklisches Investitionsverhalten lässt uns Immobilien zu einem Zeitpunkt kaufen, an dem die Preise relativ niedrig sind. Wir glauben an die positive Entwicklung des Dresdner Immobilienmarktes, der ja bereits heute wieder leicht ansteigt. Wir haben das Waldschlösschen erst Ende 2000 erworben, so dass man den jetzigen Abschluss mit Sachsenmilch getrost als zügig bezeichnen kann. Unser Niederlassungsleiter, Sören Kaiser, und seine Mitarbeiter vor Ort machen einen wirklich tollen Job.
Aufgrund unserer Markteinschätzung haben wir zu einem günstigen Zeitpunkt preiswert gekauft, denn im Augenblick wird in Dresden nur wenig investiert, da keiner mehr den Mut dazu hat. Das liegt auch daran, dass in Dresden lange Zeit nicht gebaut wurde weil Bedarf bestand, sondern lediglich weil Steuern gespart werden sollten. Damit hat man am Markt vorbei investiert. Es wurde zuviel gebaut und daraus resultieren die heutigen Leerstände. In Dresden wurde viel Geld verloren, von Privatpersonen, Banken, Unternehmern. Viele wollten hier die schnelle Mark machen. Leider blieben dabei städtebauliche und gesellschaftliche Verantwortung manchmal auf der Strecke.
Warum sind Sie erfolgreicher als andere Unternehmen dieser Branche?
Rezept unseres Erfolges ist, dass wir Immobilien mit Gesicht kaufen, Immobilien die etwas darstellen, die ähnlich wie ein Mensch durch ihre Unverwechselbarkeit überzeugen. Das Waldschlösschenareal hat so ein Gesicht: Das Brauhaus gibt dem Areal zur Elbseite hin ein unverwechselbares Bild. Es steht wie ein Markenzeichen für das gesamte Areal. Wir wünschen uns das Waldschlösschenareal als einen Ort, der wie eine Stadt in der Stadt mit kompletter Infrastruktur die Menschen unter besten Voraussetzungen leben, wohnen und arbeiten lässt. Ein Thema ist für uns die Zukunft des Jazzclubs „Tonne“. Für diese Räumlichkeiten suchen wir ein neues Konzept, um mehr Leben in die Gaststätte zu bringen. Waren Sie schon einmal in der „Tonne“ und haben die unvergleichlichen Gewölbe gesehen? Wo gibt es das noch und mit einem solchen Flair!
Es wäre schade, das nicht zu nutzen. Rezept unseres Erfolges ist auch, dass wir Immobilien immer als Bestandsimmobilien betrachten. Wenn wir kaufen, dann wollen wir eine Immobilie mindestens 10 Jahre behalten. Nicht die schnelle Mark zu machen, sondern mit der Stadt, mit dem Gebäude zu leben, ist unser Ziel.
Warum haben Sie dann nicht das historische Waldschlösschen in Ihrem Bestand behalten?
Das ist ein zauberhaftes Objekt für eine Privatperson, die sich einen Wunsch, einen Lebenstraum erfüllen möchte. Es braucht viel Liebe zum Detail, um ein solches Liebhaberstück zu sanieren. Für einen institutionellen Investor wie die Bayerische Immobilien AG, die ihren Aktionären verpflichtet ist, rechnet sich ein solches Engagement nicht.
Gibt es neue Projekte in Dresden?
Wenn sich ein günstiges Objekt in guter Lage bieten sollte, haben wir natürlich Interesse. Die Innenstadt wäre da sicher interessant, weil wir – wie gesagt – an Dresden glauben. Außerhalb von Dresden haben wir in jüngster Vergangenheit das Zentrum am Zoo an der Berliner Gedächtniskirche erworben. Auch dies ist ein antizyklisches Investment und vor allem: Es ist wieder eine Immobilie mit Gesicht.
Haben sich die Vorstellungen und Prognosen der Bayerischen Immobilien AG erfüllt?
Ja, ganz klar und eindeutig. Wir haben Häuser gekauft die leer waren und haben sie mit Leben gefüllt. Das ist gelungen und somit sind unsere Wünsche in Erfüllung gegangen.
Warum ist das den Voreigentümern nicht geglückt?
Ein Grund ist sicher unsere motivierte, engagierte und professionelle Mannschaft, die an einem Strang zieht. Der wichtigste Grund ist aber, dass der Markt langsam wieder anzieht. Insofern gehört auch immer das nötige Quentchen Glück zum Erfolg.
Welche Wünsche haben Sie für den Standort Dresden?
Dresden hat viele Vorteile: Erstens gibt es hier eine relativ beständige und stabile Regierung. Zweitens sind die Menschen hier von einem ganz besonderen Schlag: Sie sind offenherzig, innovativ, freundlich und strebsam. Dresdner und Sachsen haben schon immer Geschichte geschrieben. Sie stehen für Fortschritt und Entwicklung. Die Menschen müssen an sich glauben, daran, dass sie die Kraft haben, etwas zu leisten und auch wieder lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Drittens hat Dresden eine tolle Infrastruktur mit idealen Verkehrsanbindungen wie Autobahn, Flughafen und Zug.
Was man jetzt braucht ist Geduld. Es gibt den Spruch: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Der gilt auch hier. Wir sind in Sachsen auf einem guten Wege.
Warum und seit wann spielen Sie Golf?
Ich spiele erst seit letztem Jahr Golf, aber bereits jetzt mit Leidenschaft. Das Faszinierende beim Golf ist nicht der Schickimicki, auf den Golfspielen oft reduziert wird. Die Faszination ist, dass man nicht gegen einen Gegner spielt, wie beispielsweise beim Tennis, sondern gegen sich selbst. Jeder Erfolg, jeder Fehler, jeder Sieg, jede Niederlage verdankt man seinem eigenen Können oder Unvermögen. Man kann seine Fehler niemand anderem zuschieben, sondern ist allein verantwortlich. Dieser Kampf gegen sich selbst fasziniert mich. Der Waldschlösschen-Cup ist übrigens mein erstes Turnier in diesem Jahr. Momentan spiele ich Handicap 41.
Das Gespräch führte Patrice Fischer. | Foto: Sylvio Dittrich
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