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aus: StadtBlick 4 | 2001
Kunstkeller in der Radeberger Straße 15
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"Faktum Dresden“, die von der Stadtverwaltung herausgegebene Broschüre mit den wichtigsten Zahlen der sächsischen Landeshauptstadt rechnet 35 Museen und 88 Galerien zum kulturellen Glanz von Dresden. Manche beherbergen Kunstschätze und Kulturgut von europäischem Rang und sind deshalb einmalig. Andere bringen einen ganz anderen Duft von Exklusivität in die Kulturlandschaft von „Elbflorenz“. Zu den letzten gehört auf dem Wege zwischen der Pfund´s Molkerei und dem Waldschlösschen die Galerie „erotic art dresden“ in der Radeberger Straße 15. Hier sollten Liebhaber erotischer Kunst Halt machen.
Empfangen werden diese vom Galeristen Volkmar Fritzsche. Der 59-jährige diplomierte Metall-Künstler und Designer führt die private Galerie ohne staatliche Förderungen und Vereins- oder Stiftungsgelder. Auf 75 qm Ausstellungsfläche werden Grafik, Fotografie, Malerei, Karikatur, Schmuck, Keramik, Plastik und auch manche Kuriosität gezeigt.
Als sich sächsische Kunsthandwerker 1996 zum ersten Mal mit einer „Erotik-Schau“ an die Öffentlichkeit wagten, war die Resonanz so umwerfend, dass Volkmar Fritzsche beschloss, eine ständige Ausstellung aufzubauen. Am 15. März 1997 eröffnete die „Erotic Art“ und eine Dresdner Tageszeitung schrieb: „Ausschließlich erotische Kunst, heiter und sinnlich, das ist deutschlandweit einmalig.“
Seit dieser Zeit titeln die Zeitungen, wenn wieder eine neue Ausstellung eröffnet wird, begeistert „Augenlust 2000“, „Prickelnde erotische Performance“, „Nackte Haut auf Samt“ oder „Stammplatz für Eros“. Im Gästebuch der Galerie und auch im Internet finden sich inzwischen enthusiastische Einträge wie „Schön, dass es Euch gibt!“, „... fein der Schmuck.“, „Schönes Thema, schöne Stücke!“ oder „Supersache, absolut empfehlenswerte Ausstellung“.
Wer allerdings Beate Uhse oder andere hinlänglich bekannte Unternehmen hinter diesem Kunstkeller vermutet, wird bei einem Besuch „enttäuscht“ sein. Die Dresdner Galerie zeigt zwar „Objekte der Begierde“, wie sich auch unlängst eine der letzten Ausstellungen nannte, diese sind aber sowohl thematisch als auch künstlerisch anspruchsvoll umgesetzt worden. Werke von über 55 zeitgenössischen Künstlern von Siegfried Adam bis D. Zille werden in einer Dauerausstellung gezeigt. Daneben gibt es wechselnde Ausstellungen, bei denen Namen wie Vinzenz Wanitschke, Jürgen Schieferdecker oder Günter Rössler, der Altmeister der künstlerischen Aktfotografie, für die hohe künstlerische Qualität der ausgestellten Exponate stehen. Professor Dr. Helmut Trauzettel, ehemaliger Präsident der Sächsischen Architektenkammer, „outete“ sich in der Galerie kurz vor seinem 70. Geburtstag in Gegenwart vieler Gleichgesinnter ganz offen als Anhänger der Freuden des Lebens und stellte sich gleichzeitig als Künstler mit Kaltnadelradierungen vor.
Der erotischste Keller Dresdens lädt Besucher von Dienstag bis Donnerstag von 16.30 bis 19.00 Uhr, Freitag von 16.30 bis 20.30 Uhr und Samstag von 11.00 bis 13.00 Uhr. Neben den Ausstellungsräumen steht auch ein kleines „Lesecafé“ für Mußestunden zur Verfügung. Bis zu 15 Personen können sich hier bei einem guten Tropfen Kunstbände und Videos anschauen oder sich ganz einfach entspannen.
Kunstliebhaber sollten sich unbedingt die im Veranstaltungsplan vorgesehene Ausstellung von Hermann Naumann vormerken. Naumann stellt ab dem 31. August sein erotisches Werk in Grafiken, Malereien und Plastiken vor. Die Vernissage beginnt – wie schon fast traditionell in der Galerie – mit einer Erotik-Performance.
Volkmar Fritzsche weist außerdem auf seine Freitagabend-Veranstaltungen hin: Jeden Freitag beginnt ab 20.30 Uhr ein „Erotic Aestetic Event“ mit Show und Performances. Ab dem 8. September – dann findet auch die Premiere statt – wird immer Freitags zur wöchentlichen Performance „Erotik Hautnah“ eingeladen.
Übrigens: Auf Wunsch werden die prickelnd-erotischen Veranstaltungen auch für private und betriebliche Feste außer Haus veranstaltet.
Informationen unter 03 51 / 8 02 70 70 oder im Internet www.erotic-art-dresden.de
Der Galerist Volkmar Fritzsche
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Am 2. August 1941 wurde der „Löwe“ Volkmar Fritzsche geboren. 1959 lernte er das Handwerk in der kunstgewerblichen Werkstatt von Johannes Schramm in Dresden-Löbtau. Die begehrte Urkunde zur Selbständigkeit wurde im Juli 1979 unterschrieben. Dann absolvierte er von 1977 bis 1981 einen Fernkurs an der Hochschule Burg Giebichstein und erhielt 1979 den Titel „Anerkannter Kunsthandwerker“.
Das Geschäft lief gut, und während der DDR-Zeit konnte er nicht genug kunsthandwerkliche Dinge liefern. Mit der Wende 1990 kam jedoch ein jähes Ende. Die Leute gaben ihr Geld woanders aus, und der Westen wusste noch nichts von sächsischer Kunst.
Mit dem Verband Sächsischer Kunsthandwerker, der sich im November 1994 etablierte, wurden deshalb neue Versuche unternommen, und Fritzsche’s Galerie „erotic art dresden“ war ein Ergebnis.
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Text: Patrice Fischer | Foto: Sylvio Dittrich
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