Honorige Herren prüfen das Waldschlösschen-Bier
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aus: StadtBlick 3 | 2000
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Gründungsurkunde des Brauereibeirates
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Diverse Reiseführer meinen, das Brauhaus am Waldschlösschen sei Dresdens schönstes Bierhaus. Sie werden schon Recht haben, denn kommt man an Abenden beliebiger Wochen-tage dorthin, muss man schon Glück haben, einen der 450 Plätze zu bekommen. Auch die 150 Plätze auf der Terrasse oder die 1000 Plätze im Biergarten sind in den Sommermonaten oft bis zum letzten Stuhl besetzt.
Gründe für diese Beliebtheit gibt es viele: Der Wirt, Frank Baumgürtel, ist das, was man sich unter einem Vollblut-Gastwirt vorstellt – immer beim Gast, und jeder bekommt das Gefühl, er sei der beste Freund des Gastgebers. Der zweite Trumpf sticht mit den aufmerksamen, freundlichen und schnellen Servicekräften, die sogar die Wünsche der Gäste von den Augen ablesen können. Dann kommt das besondere Ambiente mit dem Braukessel hinter der Theke, den vielen originellen Schaustücken an den Wänden oder der Live-Musik, täglich von 20 bis 24 Uhr, außer sonntags.
Einige Tage stehen im Brauhaus am Waldschlösschen unter einem besonderen Motto. So ist montags „Studententag”. Von 12 bis 12 kostet die Haxe mit einem halben Liter Bier gerade einmal 12,12 Mark. Dienstag ist „Räuchertag”, da werden leckere Gerichte ab 17 Uhr aus der hauseigenen Räucherei serviert, und sonntags wird zum „Braumeisterfrühstück” eine Portion Weißwürste mit einem halben Liter Hefeweizen für 9,99 Mark angeboten.
Ein wichtiger Mann im Brauhaus ist allerdings Braumeister Wolfgang Ködel mit seinem Kollegen und einem Lehrling. Sie sind die Herren über Sudkessel und alle anderen Gerätschaften, die notwendig sind, um das Waldschlösschen Original Hell, das Waldschlösschen Dunkel oder das Waldschlösschen Hefeweizen, je nach Geschmack der Gäste zu brauen. Jährlich kommen 2.500 Hektoliter aus der Gasthausbrauerei, und das ganze Bier wird auch im Brauhaus am Waldschlösschen getrunken. Das sind immerhin 685 Liter pro Tag. „Allerdings sind bei uns Gäste, die Wein oder Softgetränke bevorzugen genauso gerne gesehen”, verriet uns Marketing-Manager Thomas Jacob.
Zu einem Brauhaus gehört natürlich auch der Stammtisch. Und davon gibt es dort gleich mehrere. Die Offiziersschule des Heeres, der Lions Club Dresden-Waldschlösschen, die Mitglieder des Dresden-Chapter von Harley Davidson, verschiedene Studentenverbindungen oder Mitarbeiter von Infineon und AMD treffen sich regelmäßig. Und dann gibt es noch die Vereinigung von zwei Dutzend honorigen Herren, die sich am 24. November 1997 zum Brauereibeirat konstituierten. Alle zwei Monate kommen sie zusammen: der Direktor des Stadtmuseums, „Matz” Griebel, der Polizeipräsident Eberhardt Pilz, der Chef der Sächsischen Dampfschiffahrt, Michael Lohnherr, das Vorstandsmitglied der Sparkasse Jürgen Flückschuh, weitere Banker und Geschäftsführer Dresdner Unternehmen. Geleitet wird das Gremium der maximal 25 nur(!) Herren vom „Schlemmerland”-Manager Axel Niemann.
Wer allerdings denkt, auf der Tagesordnung steht nur eine Bier-Runde nach der anderen, ist im Irrtum. Der Brauereibeirat arbeitet nach einer ernsten Satzung und einer straffen Tagesordnung. Da ist beispielsweise festzulegen, welchem Projekt Mittel aus der Beiratskasse zufließen. Den letzten Scheck über 5.000 Mark bekam das „Dobritzer Kinderland”. Eine wichtige Aufgabe ist die regelmäßige Kontrolle des Waldschlösschen-Bieres und der Vergleich mit anderen Produkten aus dem In- und Ausland. Die Gastlichkeit des Brauhauses wird kritisch unter die Lupe genommen. Es geht aber auch um Besuche von Dresdner Unternehmen und den Jahresausflug mit den weiblichen Partnern. In diesem Jahr reiste man nach Marienbad.
Zwischen den Beiratssitzungen können sich Ad-hoc-Ausschüsse bilden, wenn mindestens zwei Mitglieder im Brauhaus zusammenkommen. Über die Ergebnisse ihrer Diskussion wird in der nächsten Mitgliederversammlung berichtet.
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Bierkrug der Porzellan-Manufaktur Meissen.
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Bald werden die Beiräte das köstliche Brauhaus-Bier nicht mehr aus den gewöhnlichen Gläsern trinken, sondern aus einem Krug der Porzellan Manufaktur Meissen. Der wurde eigens für den Brauereibeirat entwickelt und in limitierter Auflage von 200 Exemplaren hergestellt. Der stolze Besitzer kann ihn für 750 Euro erwerben, bekommt seinen Namen eingraviert und darf das wertvolle Stück in einer für jeden sichtbaren Vitrine des Brauhauses abstellen. Jeder Gast kann dann voll Ehrfurcht die Namen studieren. 100 Euro vom Preis wandert übrigens in die Kasse für weitere soziale Projekte des Beirats. Der Meißner Porzellankrug ist allerdings nicht nur für Beiratsmitglieder reserviert. Wer Interesse hat, kann ihn unter der Telefonnummer 0351 / 81 19 90 bestellen. Aber wie gesagt – mehr als 200 gibt es nicht!
§1 der Satzung:
Das Brauhaus am Waldschlösschen ist eine Stätte des friedvollen, geselligen Zusammensein. Dies zu fördern in seiner Bekanntheit durch aktives Tun im Brauhaus, in Dresden und Sachsen ist der Beirat berufen. Die Förderung erfolgt insbesondere durch regelmäßige Vergleichstests der Hauptprodukte des Brauhauses mit hausverbundenen, aber auch fremden Konkurrenzprodukten. Daher ist das Wirken des Beirates auch über die Grenzen des Freistaates ins weitere Bundesgebiet und im Ausland erwünscht.
Text: Heinz Ruhnau | Fotos: Sylvio Dittrich
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