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Waldschlösschenareal Dresden   Samstag, 04. Februar 2012 
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Die "Krone der Albertstadt"

aus: StadtBlick 3 | 2000

... ist Europas einzige Simultankirche

Die Garnisonkirche nach der Rekonstruktion.

Wenn eine Kommune 20.000 Einwohner zählt, darf sie sich ruhigen Gewissens als „Stadt” ansprechen lassen. Deshalb hat sich für das 360 Hektar große Areal auf den Hangterrassen des Hellers und der Dresdner Heide, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Waldschlösschen, auch der Name „Albertstadt” bis heute erhalten. König Albert von Sachsen (1828 bis 1902) ließ hier Ausgang des 19. Jahrhunderts eine planmäßig angelegte Garnisonsstadt errichten. Die einheitlich gestaltete Anlage mit der drei Kilometer langen und bis zu 30 Meter breiten Heerstraße zwischen Radeburger und Radeberger Straße beherbergte bis zu 20.000 Soldaten. Bis 1945 war die Albertstadt ein eigenständiger Gutsbezirk und wurde erst nach dem 2. Weltkrieg zu Dresden eingemeindet.
Ihre „Krone” erhielt die „Albertstadt” am 28. Oktober 1900, als nach fünfjähriger Bauzeit die Garnisonkirche geweiht wurde.
Die Architekten William Lossow und Hermann Viehweger, die sich in Dresden bereits um das Schauspielhaus verdient gemacht hatten, bauten eine bis heute in Europa einmalige Simultankirche für parallele Gottesdienste der katholischen und der evangelischen Soldaten.

Der Gesamtgrundriss gibt die Form eines lateinischen Kreuzes wieder, wobei der evangelische Teil das breite Querhaus und der katholische Teil das verkürzte Langhaus bildet. Getrennt sind beide Teile durch eine dicke Brandmauer, die Chöre sind nach Süden ausgerichtet. Die Kirchenräume sind parallel zueinander angeordnet. Das Dach überspannt beide in einer Linie und lässt das Bauwerk damit als ganzes Langschiff erscheinen.

Oberbürgermeister Herbert Wagner beim Festvortrag zum 100-jährigen Jubiläum der Garnisonkirche.

Die Grundsteinlegung erfolgte im Beisein von Vertretern des Staates, des Königshauses und der Kirchen am 28. Oktober 1895. Bemerkenswert ist, dass insgesamt drei Grundsteine gelegt wurden, wovon einer für den katholischen, einer für den evangelischen Teil und einer für den gemeinsam genutzten 90 Meter hohen Turm bestimmt war.
Äußerlich ist die Kirche durch eine Quaderung der Sandsteinfassade geprägt. An der Südfassade ist deutlich die Doppelfunktion erkennbar: links der breite, stark hervorspringende evangelische Chor mit drei großen Fensterrosen, seitlich begrenzt durch Treppentürme und vorgelagerten Kapellenkranz im neoromanischen Stil, während der rechts daneben liegende kleinere katholische Chor mehr dem gotischen Vorbild folgt. Kräftige Strebepfeiler zwischen den Rundbogen betonen hier die Vertikale.
Die großen Ost- und Westgiebel werden bestimmt durch eine Fensterrose über den Eingangsportalen. Die durch den Turm geteilte Nordfassade besitzt ebenfalls zwei Giebel mit Fensterrose sowie darunterliegende Rundbogenfenstergalerien über den jeweiligen Eingangsportalen beider Kirchen.
Das Steildach der Kirche ist stark gegliedert und nimmt zwei Fünftel der Gesamthöhe des Baus ein. Die Giebelfirstpunkte sind durch Kreuzblumen, die Traufpunkte durch Fialen geziert. Dreiecksgaupen lockern das Dach auf. Nach dem Vorbild der Gotik finden sich Wasserspeier in Gestalt von Dämonenköpfen wieder, zum Beispiel am Eingang zur katholischen Sakristei. Der auf quadratischem Grundriss erbaute 90 Meter hohe Turm erinnert in Form und Stellung an einen italienischen Campanile. Er ist vom Fuß bis zur Spitze aus Sandstein gemauert und durch eine vergoldete Turmkugel und ein Kreuz gekrönt. Gegliedert ist der Turm in mehrere Geschosse. Zu ebener Erde befindet sich eine offene Halle mit zwei durch Archivolten verzierten Stufenportalen nach Norden und Osten. Hier sind mehrere Bronzegedenktafeln für gefallene Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) angebracht. Zwei Löwen halten darüber das sächsische Wappen.

Neogotischer Wasserspeier am Eingang zur katholischen Sakristei.

Die Garnisonkirche diente nur 45 Jahre lang der Garnison als Kirche. Nach dem Bombenangriff vom 13. Februar 1945, als auch 30 der 58 Dresdner Kirchen zerstört wurden, gab sie zwei ausgebombten Gemeinden ein neues Zuhause. Der Name „Garnisonkirche” missfiel dem sozialistischen Staat, so wurde sie zur St. Martinskirche. Da die Dresdner Konzertsäle zerstört waren, fanden im großen evangelischen Kirchteil Konzerte statt. Jahrelang wirkten hier der Kreuzchor und die Philharmoniker. Später zogen Theaterfundus und die Phonothek als Mitnutzer ein.
Seit dem Umzug der Offiziersschule des Heeres im Jahre 1998 von Hannover nach Dresden dient das sakrale Baudenkmal im katholischen Teil wieder der Militärseelsorge. Im gleichen Jahr verkaufte die Bundesrepublik Deutschland die denkmalgeschützte Kirche an den Pfälzischen Investor Manfred Kaiser. Der realisierte seine auf zehn Jahre festgelegten Sanierungsverpflichtungen bereits nach einem Jahr. Das Dach und die Sandsteinfassade sind auf Jahrzehnte gesichert. Der Förderverein der Kirche und die St. Franziskus-Xaverius-Gemeinde nahmen sich der Wiederherstellung der Bleiglasfenster an. Weitere Vorhaben sind im kommenden Jahr der Bau eines Kindergartens und eines Objektes mit Seniorenwohnungen. Für den evangelischen Teil gibt es ein Konzept zur multifunktionalen Kulturnutzung.

Text: Heinz Ruhnau | Fotos: Sylvio Dittrich



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