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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Offiziersschule des Heeres

aus: StadtBlick 3 | 2000

Tanzschule inklusive

Auf dem Appellplatz kann es manchmal sehr bunt aussehen.

Anruf in einer Dresdner Tanzschule: „Können wir für 20 Herren bei Ihnen einen Tanzkursus buchen, und können sie uns helfen, die passenden Tanzpartnerinnen zu finden?” Natürlich konnte die Tanzschule. Junge Fähnriche zwischen 20 und 25 Jahren in schmucken Uniformen kamen gerne aufs Parkett und bewegten sich dort sehr schnell genauso sicher wie in ihrer Kaserne auf der Marienallee. Mit den Grundschritten ausgerüstet, wagten sie sich dann auch sehr schnell in die freie Szene, die „Dance factory” auf der Bautzner Straße beispielsweise.
Seit September 1998 beleben Offiziersschüler das Bild in Dresden. Der damalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe sagte: „Mit dem heutigen Tag hat die Offiziersschule des Heeres ein neues Zuhause. Sie kehrt an die Stätte zurück, an der viele Offiziere des Heeres, die beim Aufbau der Bundeswehr Verantwortung getragen haben, ausgebildet worden sind.

Eingang zur Offiziersschule des Heeres.

Oberbürgermeister Herbert Wagner begrüßte die Ausbildungsstätte als Bereicherung der bunten Palette wichtiger Einrichtungen: „Sie ist ein willkommenes Mitglied der Familie Dresdner Einrichtungen. Ich bin sicher, dass sie sich bald als echte Dresdnerin fühlen wird.”
Und wie schnell das ging. Die Lehrgangsteilnehmer aus ganz Deutschland kommen für sechs Monate nach Dresden und fühlen sich von der ersten Woche an sehr wohl. Eine Dresdner Tageszeitung verglich die Bedingungen in der Kaserne mit einem 3-Sterne-Hotel. „Mancher kam mit Vorurteilen nach Sachsen, so weit in den Osten zu müssen. Die waren aber schon nach wenigen Tagen vergessen”, sagte Oberstleutnant Heinz. Er hatte drei Jahre in Köln gedient und war erstaunt, wie wenig Aggressivität in Dresden zu spüren ist. Zurück zu den Lehrgangsteilnehmern, die auch aus Afrika kommen, aus Litauen, der Mongolei oder anderen Ländern. Dienst ist Dienst, aber es gibt freie Stunden, und die können in Dresden sehr bunt sein. Oper, Schauspiel oder Kabarett sind Renner. Favorit für ein gemütliches Bierchen ist die Dresdner Kellergastronomie, der Sophienkeller, Pulverturm oder Silberstolln. Jeder Lehrgangsteilnehmer hat im Monat etwa 3.000 Mark zur Verfügung, und die Hälfte davon würde schon in Dresden bleiben. Ein schönes Häppchen also für die Gastronomie, die kulturellen Einrichtungen und den Einzelhandel.

Offiziersschüler aus verschiedenen Nationen erhalten hier ihre Ausbildung.

Darüber hinaus bleibt noch mehr Geld in der Stadt. Die Offiziersschule kauft in der Region Lebensmittel, mehrere Millionen Mark im Jahr. Und auch Büroausrüster und sonstige „Beschaffer” profitieren von der Einrichtung. Rund 245.000 Mark standen allein in diesem Jahr im Budget für regionale Unternehmen.
Wenn dann der schmucke Fähnrich zum Leutnant befördert wurde und Dresden wieder verlässt, ist er ein Botschafter für dieses „Elbflorenz” geworden. So manche Reise von seinen Lieben Daheim wurde schon nach Dresden gebucht, weil er so von der Stadt geschwärmt hat. Und etliche hat es noch viel mehr erwischt. Beim Tanzkurs merkten sie, was es mit dem Spruch auf sich hat „In Sachsen, wo die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen ... .” Die Liebe zu Dresden ist ganz persönlich geworden.
Wie sagte doch Dresdens Oberbürgermeister: „Ich denke, die vielen Möglichkeiten vor Ort, die besonders für die Persönlichkeitsbildung der künftigen Offiziere bedeutsam sind, schaffen ein Klima, das kulturelle und wissenschaftliche Zugewinne bringt, ein Klima der Lebensfreude und Innovation – das Dresdner Klima eben.”

Die Teilung durch Teilen überwinden – von diesem Motiv hat sich die Bundeswehr nach den glücklichen Stunden der wiedergewonnenen Einheit unseres Landes leiten lassen. Von Beginn an war klar, dass zahlreiche zentrale Einrichtungen der Bundeswehr in die neuen Länder verlegt werden. So zog die Alma Mater für die Ausbildung der heutigen Heeresoffiziere nach 40 Jahren von der Leine in Hannover an die Elbe nach Dresden.

Text: Heinz Ruhnau | Fotos: Renate Ruhnau



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