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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Drei Schlösser und ein Spaziergang

aus: StadtBlick 2 | 2000

Drei Schlösser und ein Spaziergang

Wo gibt es das noch einmal auf der Welt? Man geht an Bord eines über 100 Jahre alten Dampfers und lässt sich zu einer „Schlösserfahrt” über die Wellen des Stromes schaukeln. Stadtrundfahrten zu Wasser gibt es zwar auch in anderen Metropolen, aber nicht mit der größten und ältesten Raddampferflotte der Welt, der Sächsischen Dampfschiffahrt. Und noch ein Superlativ macht Dresden so einmalig: Drei Schlösser, zwei im hellenischen Stile Schinkels und eins im englischen Tudorstil, mit verschiedener Prägung und mannigfacher Geschichte auf engstem Raum, auch das dürfte es kaum noch einmal geben. Schön und majestätisch sind sie anzuschauen, wie sie aus dem Grün des Elbhanges herausragen. So unvergesslich auch die Dampferfahrt sein mag, sie macht Lust, die Elbschlösser live zu erleben, ihr Inneres kennen zu lernen und in ihren Gärten zu wandeln. Kein Problem. Stadtblick begleitet sie bei diesem „Schlösserspaziergang”.

Wir beginnen beim stadtnächsten Palast, dem Schloss Albrechtsberg. „Es ist ein Ort zum Genusse der Aussicht und zum Wandeln in den lieblichen Säulengängen auf halber Höhe zwischen Himmel und Erde”, schrieb E.T.A. Hoffmann ins Gästebuch. Er war genauso wie Wilhelm von Kügelgen, Richard Wagner oder Ludwig Richter zu Gast auf Schloss Albrechtsberg. Wir befinden uns also in bester Gesellschaft.
Ein Schotte, Lord Jacob von Findlater, kaufte Anfang des 19. Jahrhunderts das idyllische Weinberggebiet, das sich an dieser Stelle befand. Er baute sich ein „Weinbergschloss”, in dem seine Erben später eine Gastwirtschaft einrichteten. Dann kamen die Preußen. Prinz Albrecht, Bruder des Königs Wilhelm I., kaufte 1849 das Anwesen und ließ sich vom preußischen Landbaumeister Adolph Lohse ein neues großes Schloss im spätklassizistischem Stil errichten, für sich und seine Geliebte, die Baronesse Rosalie von Rauch. Der stattliche Sandsteinbau hat römische Renaissance-Villen als Vorbild. Sein Park am Elbhang und zur Bautzner Straße wurde im Lennéschen Stil angelegt.
1925 erwarb die Stadt das Gelände und machte es 1930 der Öffentlichkeit zugänglich. Ab 1951 wurde es als “Pionierpalast” vorwiegend von Kindern für vielfältige kulturelle und sportliche Aktivitäten genutzt. Dieses Anliegen wird auch heute durch die Jugendkunstschule weiterhin fortgesetzt.
Sehenswert sind unter anderem der Festsaal mit der reich geschmückten Kassettendecke, das Türkische Bad nach maurischen Vorbildern, aber auch die kleineren Herrschaftsräume. Beim Bummel durch den Park müssen wir unbedingt das Römische Bad, das sich auf der dreiteiligen Terrassenanlage zur Elbe hin befindet, besuchen.

Schloss Eckberg

Prinz Albrecht ließ noch eine kleineres Schlösschen nebenan von seinem Baumeister Adolf Lohse errichten. Im Stil und Komposition hat es Ähnlichkeit mit der „Großen Schwester”. Sein Hofmarschall Kammerherr von Stockhausen durfte sich darin einrichten. Beachtenswert ist die Eingangsfront mit zwei polygonalen Ecktürmen und dem Säulenvorbau. Auch der später angebaute achteckige Pavillon sollte nicht übersehen werden.
Von preußischer in sächsische Hand ging das Schloss 1891. Der Nähmaschinenfabrikant Bruno Naumann kaufte die Immobilie und gab sie 1906 weiter an den Gründer des pharmazeutischen Unternehmens „Odol” – Karl August Lingner. Mit ihm verbindet sich die erste Hygieneausstellung 1911 in Dresden und die Stiftung Hygienemuseum. Laut Testament vermachte er sein Schloss der Stadt Dresden als Volkserholungsstätte. Seine sterblichen Überreste befinden sich in dem vom Elbuferweg aus sichtbaren kleinen Mausoleum. Ebenso sichtbar ist ein ehemaliger Aufzug für 6 Personen, der auf Anregung Lingners gebaut wurde. Das Elbschloss, in das bald die Biotechnologie einziehen soll, trägt im Volksmund seinen Namen.

Das dritte Schloss auf unserem Spaziergang unterscheidet sich völlig von den anderen beiden. Auf dem Weinberg des Hofkapellmeisters Heinrich Schütz ließ sich der Handelsherr John Daniel Sochay 1859-61 vom Semperschüler Christian Friedrich Arnhold ein Schloss im burgenähnlichen, neogotischen Stil nach Vorbildern englischer Landsitze erbauen.
Die Besitzer dieses Grundstücks wechselten oft. 1925 erwarb es Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg. Er war nicht nur Erfinder der Zahnpastenmarke „Chlorodont”, sondern auch Botaniker und Blumenfreund. Seinen wundervollen Wald- und Blumengarten machte er schon damals allen Naturfreunden zugänglich. Wir können ihn heute als einen der schönsten in Dresden entdecken.
Nach der Enteignung Mayenburgs begann der Verfall von Schloss Eckberg und wurde erst gestoppt, als in den 80er Jahren ein Jugendtourist-Hotel eingerichtet wurde. Heute befindet sich das Schloss wieder im Besitz der Familie von Mayenburg und gehört zu der europaweiten Vereinigung „Gast im Schloss”.

Jetzt haben wir uns eine kulinarische Pause verdient. Je nach Wetter nehmen wir im Restaurant oder auf der malerischen Freiterrasse Platz und lassen uns von Küche und Keller des Hotels Schloss Eckberg, übrigens der „Renner” auf dem japanischen Reisemarkt, verwöhnen. Unser Blick geht auf die Elbe und ein Raddampfer kommt in Sicht. An Bord Ausflügler, die bewundernd zu den Elbschlössern schauen. Ihr Wunsch: Dieses Dresdner Highlight von Nahem entdecken. Kein Problem, denn sogar die Straßenbahnlinie 11 fährt dorthin, und „Eintrittspreis” ist ein absolutes Fremdwort.

Text: RK | Fotos: Sylvio Dittrich



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