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Waldschlösschenareal Dresden   Freitag, 10. September 2010 
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Geschichte und Geschichten um das historische Waldschlösschen

aus: StadtBlick 1 | 2000

Vom Pagen zum Minister: Camillo Marcolini – der Bauherr des Waldschlösschens

Das historische Waldschlösschen ist nicht etwa identisch mit dem Brauerei-Gebäude, das sich heute wieder außerordentlicher Beliebtheit erfreut. Das eigentliche Waldschlösschen steht oberhalb des Waldschlösschenareals, direkt an der Radeberger Straße (Nummer 60). Noch bis zum Jahr 1860 sollte dieses Haus das einzige auf der Radeberger Straße bleiben. In den Jahren 1785 bis 1790 hat es Graf Camillo Marcolini (1739-1814) für seine irische Gemahlin Maria Anne O´Kelly erbauen lassen. Es handelt sich um das erste Dresdner Gebäude mit gotischen Stilelementen, wobei schon damals nicht die Architektur des beschaulichen Schlösschens der Trumph war, sondern die herrliche Lage mit Blick über Dresden und die Elbhänge. Jener Graf hatte es vom Hofpagen bis zum Minister gebracht. Seit er als 13-Jähriger an den sächsischen Hof kam, galt er als enger Freund und Vertrauter des Kurfürsten Friedrich August III. (der Gerechte). Er war Oberkammerherr, Stallmeister, Direktor der Kunstakademien und der Meißner Porzellanmanufaktur sowie Minister des Kabinetts. Mittellos war Marcolini aus Fano in Italien nach Sachsen gekommen. Mit Weitblick und durch seine Heirat und die Nähe zum sächsischen Hof verstand er es, innerhalb kurzer Zeit beachtlichen Reichtum zu erwerben und gesellschaftlich aufzusteigen.

Historisches Wahrzeichen: die Plastik des flandrischen Bierkönigs Gambrinus

Friedrich August der Gerechte über Marcolini: „Wohl oft genug mag man mich auch wegen meiner Anhänglichkeit an Marcolini getadelt haben, aber man hat es nicht bedacht, was ich diesem Manne schuldig war. Er blieb mir bis ins Alter treu und hat mich gleichsam erst das Gehen gelehrt.”

Blick vom Waldschlösschen auf Dresden (ca. 1938)

Der Baumeister des Jagdschlösschens war Johann Daniel Schade (1730-1798), der bekannt wurde durch seine Arbeit am Marcolini-Palais, dem heutigen Krankenhaus Friedrichstadt und durch die erste Wiederherstellung des Zwingers. Leider sind die Bauakten des Schlösschens mit dem Archiv der Waldschlösschenbrauerei beim Bombenangriff auf Dresden verbrannt.

Das Alte Waldschlösschen (ca. 1938)

Der Vorliebe des Grafen Marcolini für die Jagd haben wir neben dem hier besprochenen Jagdschlösschen auch den Bau der Fasanerie in Moritzburg zu verdanken. Das Schlösschen gehörte ehedem zu dem ausgedehnten, bis zum Linckeschen Bad reichenden Marcolinischen Vorwerk, das nach dem Tod des Grafen versteigert wurde. Zwischen dem Linckeschen Bad und dem Meisenberg (heute Waldschlösschenareal) gab es damals nur einen schmalen Weg entlang der Wasserleitung aus dem Schotengrund, die Augustinermönche im Jahre 1476 angelegt hatten. Dieser Weg wurde erst 1783 bis 1786 zur Straße ausgebaut, deren künftige Bedeutung Marcolini geahnt haben muss. Jedenfalls erwarb er das Gelände zwischen der alten Radeberger und der neuen Bautzner Straße. Sein Plan war, nach englischem Vorbild ein Mustergut zu errichten. Deshalb nutzte er seine Stellung als Oberstallmeister, um den sandigen Boden mit Pferdemist ertragreicher zu machen und verwandelte das Gelände in Obsthaine, Felder und Hopfenpflanzungen. So legte er gewissermaßen für die spätere Brauerei den Grundstein. Die Waldstücke des Besitzes wurden umzäunt. Hier wurde ein Wildpark angelegt, in dem Wildschweine für die Parforcejagd gehalten wurden. Nach dem Tode Marcolinis wurde das Schlösschen wie alle übrigen Besitzungen verkauft. Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts blieb die Gegend jedoch relativ unbelebt. Erst als das Jagdschlösschen in jener Zeit zum Ausflugslokal avancierte, kam Leben in diesen Teil der Stadt. Im Jahre 1836 erwarb die neu gegründete Brauereiaktiengesellschaft das gesamte Gelände und errichtete in Anlehnung an das historische Original die Waldschlösschen-Brauerei. Zuvor jedoch waren französische und russische Truppen quer durch das Areal marschiert. Welche Rolle das Waldschlösschen in der Zeit der Napoleonischen Kriege spielte, also kurz bevor Marcolini im Jahre 1814 in Prag starb, soll in einer späteren Ausgabe behandelt werden.

Text: Ralf Krüger

Dresden - Hochwasser, 1915

„Die vielen berechtigten Klagen über den durch Hochwasser so häufig gehinderten Verkehr auf der alten Heerstraße Richtung Osten – der Bautzner Chaussee, veranlaßten 1785 den Kurfürsten, eine neue, hochwasserfreie Verbindung der Stadt mit den östlichen Landesteilen zu schaffen, indem er einen neuen Straßenzug von der Holzhofgasse über den Meisenberg direkt schuf, die als ‚neue Bautzner Straße‘ bald dem Verkehr übergeben werden konnte. Die alte Mathessche Eisenschmelze mußte dieser Neuanlage weichen, das dazugehörige, von der Straße durchschnittene Terrain erwarb Graf Marcolini, er baute sich auf den öden Flugsandflächen am Waldrand ein Jagdschlösschen, das er Waldschlösschen taufte und das jahrzehntelang die einzige bewohnte Stätte außer der primitiven Bretterbude Saloppe und dem ebenfalls erst später entstandenen Findlaterschen Weinberg war.” (Auszug aus Dresdner Anzeiger vom 24. März 1928)

“Waldschlösschen ist das Losungswort, dorthin zu Fuß und Pferde wälzt von der Mücke bis zum Lord sich die gesamte Herde.“



Tageskarte

Die aktuelle Tageskarte des Brauhauses am Waldschlösschen [Mehr]