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Waldschlösschenareal Dresden   Sonntag, 05. September 2010 
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Kneipenbummel durch die Dresdner Neustadt

aus: StadtBlick 7 | 2002

Mit Jutta durch die TTZ (Totale (S)Zene)

Klar gibt’s in der Neustadt Kneipen wie Sand am Meer. Aber Kneipe ist eben nicht gleich Kneipe. Und wohin zu welcher Tageszeit? Am besten jemanden fragen, der weiß, wo der Hase langläuft: TTZ-Fräulein Jutta.

Für sie beginnt der Neustadt-Tag harmonisch, und zwar im „Raskolnikoff“. Die eigenwillige Sandfußboden-Bar auf der Böhmischen Straße ist Sandalenträgern weltweit ein Begriff, Frühstücksfetischisten weniger. Zu unrecht. Morgens um zehn im verträumten Garten der Sonne zuzwinkern ist einfach herrlich. Und so geht’s weiter: Milchkaffee ordern, dazu frische Brötchen (mit Avocadocreme, Buttervariationen oder Schwarzwälder Schinken), hernach eine kleine Morgenzeitung – und die Welt ist schön. Aber gefährlich! Denn schnell bleibt man im Hinterhofparadies bis zum Mittag hängen, zumal die Tageskarte hinterhältige Herzhaftigkeiten offeriert.

Raskolnikoff
Böhmische Straße 34, Tel 03 51 / 8 04 57 06, offen täglich 10-2 Uhr

Einmal um die Ecke geflitzt und schon steht man vor der „Suppenbar“. Lecker, preiswert und schnell geht’s hier zu. Geköchelt wird mit viel Liebe, frischem Gemüse und Ökofleisch, das frische Brot und die göttlichen Muffins basteln die Suppenjungs täglich selbst. Kein Wunder, daß die cool designte Löffelbude (wo man Hinz und Kunz beim Schlürfen erwischt) innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Mittagstreff der Neustädter avancierte. Interner Tip von Jutta: Vorm Suppenkauf immer erst den Sitzplatz sichern!

Suppenbar
Rothenburger Straße 37, Tel 03 51 / 8 10 71 30
offen Mo bis Sa 11.30-22 Uhr
aktuelle Tageskarte unter www.suppenbar-dresden.de

Nach dem Essen sollst du ruh’n, oder ... einmal durch den Kunsthof gewackelt und schon knurrt der Magen unbarmherzig nach einer kleinen Süßigkeit. Zeit für’s „Tiki“, der einzigen Eisbar im Viertel. Mit seinem Hawaii-Hemd-Outfit kann sich der Nachfolger von Neumanns Eisgrotten wahrlich sehen lassen, aber noch besser ist, sich in ihm sehen zu lassen. Hier gilt: Erstmal in die Sitzecke flätzen, die Endloskarte studieren und dann einen Eisbecher nach dem anderen löffeln. Guter Rat: Die Eisshakes niemals vorm Essen trinken, es besteht die ernsthafte Gefahr, zu platzen.

Tiki
Görlitzer Straße 21
offen täglich 10.30-1 Uhr (am Wochenende länger)

Für alle die nicht geplatzt sind, ergibt sich nun die Möglichkeit, Erlebnisgastronomie à la Neustadt in Augenschein zu nehmen. Gibt’s nicht? Irrtum. Von außen wähnt man das winzige „La Casina Rosa“ nicht ungewöhnlich und Liebespaare präferieren es ob seiner Kuscheligkeit. Aber einmal drin gewesen und man weiß, wo die Pizza um die Ecke schnurpst: Italienische Kellner vom Zartesten (Sprachfluss, Temperament, Haltungsnoten) lassen garantiert kein Klischee aus und geben jeder anwesenden Dame das Gefühl, die schönste Signora der Stadt zu sein. Jutta meint: die beste Therapie bei angeschlagenem Selbstbewusstsein.

La Casina Rosa
Alaunstraße 93, Tel 03 51 / 8 01 48 48
offen Mo 18-24 Uhr, Di bis Sa 11.30-14.30 Uhr und 18.30-24 Uhr

A und O einer Genussspecht-Expedition durch das Dresdner Kneipenviertel ist die Verdauung. Selbige wird in „Frank’s Bar“ nicht nur großgeschrieben, sondern auch durch förderliche Tränke aus dem Mixbecher angeregt. Bei Kurant Gimlet und entspannter Barmusik geht man in der winzigen Cocktailbar den späten Abend gediegen an, lauscht Franks sonorer Stimme und erfährt nebenbei das Neueste aus der Neustadt. Auch hier ist die Versuchung groß, am Barbrett kleben zu bleiben, aber es geht weiter. Schließlich muss das Kultur-Soll erfüllt werden.

Frank’s Bar
Alaunstraße 80, Tel 03 51 / 8 02 67 27
offen täglich 20-3 Uhr

Und wo geht das besser als im „Blue Note“? Der Kultschuppen auf der Görlitzer Straße ist ein absolutes Muss für jeden Neuankömmling. Als Mekka der Dresdner Jazz- und Musikerszene gibt’s fast jeden Abend Tip-Top-Livemugge auf die Ohren, hier treffen sich die Kulturschaffenden der Stadt, hier werden Kontakte geknüpft und bei böhmischen Bier über Gott, die Welt und tausend Takte Tanzmusik debattiert. Die Jazzprominenz lässt sich nach absolviertem Tagwerk bei einer heißen Session gern über die Künstlerschulter schauen, während die Damenwelt den überaus männlichen (und tätowierten) Oberarmen der Bedienung hinterherlechzt.

Blue Note
Görlitzer Straße 2b, Tel 03 51 / 8 01 42 75
offen Mo bis Do ab 20 Uhr, Fr bis So ab 21 Uhr

Kondition hat, wer jetzt noch zehn Schritte weiter ins „Hebeda“ wankt. Die ehemalige Familieneinkehr gehört zu Juttas TTZ-Favoriten, ist sie doch die abgefahrendste Kaschemme des Stadtteils. Wo früher der brave Bürger bei Sülze mit Bratkartoffeln sein gepflegtes Bierchen kippte, prallen heute spießiges Mobiliar auf schrille Einrichtungsaccessoires aus den 70ern. Ergebnis: Prädikat „enorm schräg“. Entsprechend verhält es sich mit der Beschallung, zu der am Wochenende rhythmischer Hüftschwung geübt werden darf. Ohne Krawatte, versteht sich.

Hebeda
Rothenburger Straße 30, Tel 03 51/8 95 10 10
offen täglich ab 19.30 Uhr

Text: Jutta | Fotos: Wolfgang Kramisch



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