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Waldschlösschenareal Dresden   Mittwoch, 07. Januar 2009 
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Ein Neuanfang: Das Metropolis

aus: StadtBlick 7 | 2002

Frank Apel wirbt seit über einem halben Jahr mit neuem Konzept für volle Säle

Ende letzten Jahres war es lange Zeit ein Gerücht hinter vorgehaltener Hand: Das Bofimax hat finanzielle Schwierigkeiten. Der Spielbetrieb ging jedoch weiter und scheinbar blieb alles wie gehabt. Dass es hinter den Kulissen gefährlich brodelte, die Angestellten monatelang um ihren Arbeitsplatz kämpften, sogar mehrfach auf ihr Gehalt verzichteten, war nicht zu spüren, wenn sich der Vorhang öffnete.

Bereits im August 2001, also lange vor der Insolvenz im Dezember letzten Jahres, wurde das Mietverhältnis mit dem Bofimax seitens der Bayerischen Immobilien AG (BIAG) aufgrund fehlender Mietzahlungen gekündigt. Um das Kino für das Areal und Dresden zu erhalten, führte das Team um Niederlassungsleiter Sören Kaiser viele Gespräche, um ein schlüssiges Sanierungskonzept erfolgreich zum Tragen zu bringen. Interessenten gab es viele; aus Hamburg, Leipzig, Dresden und sogar geheimnisvolle Unbekannte, die sich inkognito über Rechtsanwälte zuerst an einem neuen Konzept, dann später nach der Insolvenz, an dem Preispoker um das Kino beteiligten. Unter ihnen Frank Apel, 46 Jahre, Dresdens Kinogängern als Geschäftsführer der Schauburg und Gesellschafter des Nickelodeon Filmtheater Betriebes bekannt.

Frank Apel, Betreiber des Metropolis

Es wurde so hoch gepokert, dass Frank Apel sich im November eigentlich schon von dem Gedanken, das Kino zu übernehmen, verabschiedet hatte. Doch letztendlich überzeugte seine Idee sowohl die BIAG als auch den Insolvenzverwalter. Nicht zuletzt sprachen auch seine langjährigen Erfahrungen als Kinobetreiber der Schauburg, die Apel, wie er selbst sagt, in den Anfangsjahren „... fast Kopf und Kragen gekostet hätten“ für ihn. Nach dem Gerangel um das Kino kam der Zuschlag am 19. Dezember 2001 für den erfahrenen Kinobetreiber dann schließlich überraschend.

„Das ehemalige Bofimax befindet sich in einem technisch sehr guten Zustand und verfügt über eine engagierte und interessierte Belegschaft. Dennoch gibt es viel zu tun.“, sagt Frank Apel, der alle Mitarbeiter des Bofimax übernommen hat. Die Spuren der Vorgänger werden Apel genauso wie der Name Bofimax wahrscheinlich noch lange verfolgen. Sicher liegt das nicht nur an den unzähligen, fest in den Teppichen eingewebten, leuchtend roten Schriftzügen. Einem Teppich der fast für die Ewigkeit gedacht schien. Ebenso belasten die hohen Schulden der vorherigen Eigentümer den Namen des Kinos. Aber schon heute grüßt der neue Namenszug Metropolis von den Schaukästen des Kinos und die ausgewechselten Einfahrtsschilder zur Tiefgarage künden ebenso von der neuen Gegenwart und Zukunft.

Der klangvolle und (film-) geschichtsträchtige Name Metropolis soll die Veränderungen dokumentieren. Gemeinsam mit Tilo Schiemenz, Regisseur von „Daphnis und Chloe an der Elbe“, wird Frank Apel nicht nur das Foyer des Hauses ganz im Sinne des neuen Namens gestalten. Der expressionistische Filmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1924 mit seiner „... gigantischen Filmarchitektur, hat eine leichte Parallele zum Waldschlösschenareal. Der nicht unumstrittene Film assoziiert die Auseinandersetzung mit Filmkunst. Es ist einfach ein Film, der sich untrennbar mit dem Begriff Kino verbindet“, so Apel zur Namensgebung. Der Film Metropolis lebt von Gegensätzen: arm und reich, gut und böse, Fortschritt und Tradition, Mensch und Technik kämpfen in dem fast surreal anmutenden Film gegeneinander.

Ziel des neuen Betreibers ist nicht zwingend der sofortige, meist dem breiten Publikumsgeschmack untergeordnete, meßbare Erfolg an der Kinokasse, sondern die Präsentation der verschiedensten Filmgenres. Dem gewandelten inneren und äußeren Gesicht des Kinos entsprechend, soll die Programmgestaltung ähnlich vielschichtig erfolgen. Zielrichtung ist ein anspruchsvoller Mix zwischen Mainstream, Independent, Filmkunst und Programmkino. Kommerziell erfolgreiche Filme wie „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ gab es und wird es im Metropolis genauso geben wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ und „Brot und Tulpen“, Filme die sich quasi „herumsprechen“ und gerade dadurch eine lange, erfolgreiche Spieldauer garantieren. „Denn“, so Apel, „es gibt Besucher, die erst nach Wochen in einen solchen Film gehen und eigentlich nicht so direkt zu dem Klientel der treuen und regelmäßigen Kinogänger gehören, die keinen Film verpassen möchten“. Dresdner, die den Weg ins Kino bisher noch nicht gefunden haben, sollen mit Klassikern, Celluloids und Neuauflagen angesprochen werden. Hier sieht Apel ein großes Potential seiner zukünftigen Metropolis-Kinobesucher. „Wir werden nicht jeden Film und vor allem nicht um jeden Preis der Verleiher spielen“, und fügt fast im gleichen Atemzug erklärend hinzu, dass „... nicht jeder Film der gezeigt wird, mir persönlich gefällt.“ So viel ist sicher: Filme á la „American Pie“ oder „Scary Movie“ werden im Metropolis nicht laufen. Gut gemachte Unterhaltung dagegen wird einen festen Platz finden.

170.000 Zuschauer sollen im ersten Jahr das Metropolis besuchen; 200.000 erhoffte Gäste jährlich könnten ab dem zweiten Jahr die wirtschaftliche Sicherheit herstellen. Nicht unrealistisch, wenn man die abendlichen Schlangen vor der Metropolis-Kasse sieht. Apel strebt übrigens eine vernünftige Zusammenarbeit mit den anderen Dresdner Kinos an; allen voran dem Programmkino Ost, dem Kino im Dach und dem Casablanca.

Unterschiede, sprich kleine Erhöhungen gab es in den Eintrittspreisen, die jedoch von drei Kinotagen und breiten Ermäßigungen gemildert werden. Ein anderer Unterschied ist, dass „das Kino von Dresdnern für Dresdner geführt wird und die Einnahmen – im Unterschied zu den vorherigen Betreibern – hier in Dresden verbleiben werden und nicht in Bochum oder anderen Städten Gehaltsempfänger ernähren müssen.“

Bleiben wird ein modernes Kino mit klimatisierten Sälen und herrlich bequemen Sitzen mit viel Beinfreiheit ... und die Freude auf einen Neuanfang im Waldschlösschenareal.

Informationen

Metropolis
Im Waldschlösschenareal
Am Brauhaus 8
01099 Dresden

Reservierung
täglich an der Kasse ab 16 Uhr, Tel 03 51/8 16 67 21

Anfahrt
mit Straßenbahn Linie 11 oder Bus Linie 91 bis Haltestelle „Waldschlösschen“
Parkplätze in der Tiefgarage und im Waldschlösschenareal

Eintrittspreise
Kinotage Montag, Dienstag, Mittwoch
5,00 Euro Erwachsene, 4,00 Euro ermäßigt, 4,00 Euro Kinder bis 12 Jahre

Donnerstag bis Sonntag
7,00 Euro Erwachsene, 6,00 Euro ermäßigt, 4,00 Euro Kinder bis 12 Jahre, 4,00 Euro bis 18 Uhr jede Karte

Kindervorstellung; 2,00 Euro jede Karte vormittags

Jetzt auch im Metropolis erhältlich: frisch gezapftes Waldschlösschen-Bier

Text: Patrice Fischer | Foto: Ralf U. Heinrich



Tageskarte

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